Sahra Wagenknecht – Wer profitiert von der Angst?

Shownotes

Sahra ist Politikerin, Publizistin und Co-Gründerin des BSW, der nach ihr benannten Partei “Bündnis Sahra Wagenknecht”. Sie kam frisch aus der Pressekonferenz, auf der sie die Neuaufstellung ihrer Partei erklärt hat.

Ich wollte von Sahra wissen, was „kein Rückzug“ genau bedeutet, wie viel Macht eine Fraktion hat, wo sie Meinungsdruck spürt und was es ihrer Meinung nach braucht, damit Deutschland wieder zuversichtlicher wird. Wir sprechen über Frieden und Aufrüstung, Medienvertrauen, Schlafmangel, wachsende Bücherstapel und darüber, dass Sahra reflektiert, in der Vergangenheit Menschen verprellt zu haben. Es geht um Ängste, Korrekturen, Vernunft und Überzeugung.

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DINGE: Sahras Buch “Die Selbstgerechten”: https://bit.ly/4hVWof7 Sahras YouTube-Kanal: https://youtube.com/channel/UCPH3ZPeqWqRVZ_ef4vOZgSw Steffen Mau, Thomas Lux, Linus Westheuser - “Triggerpunkte”: https://suhrkamp.de/buch/triggerpunkte-t-9783518029848 Christian Baron - “Drei Schwestern”: https://ullstein.de/werke/drei-schwestern/hardcover/9783546100700

FAKTEN: Tagesschau-Beitrag zur Software Palantir: https://tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/palantir-einsatz-deutschland-100.html Klage wegen Beleidigung durch Robert Habeck: https://bit.ly/47S8Vvc ZDF heute über Nexperia: https://zdfheute.de/wirtschaft/nexperia-chips-eu-china-ausnahme-halbleiter-100.html Wahrnehmungwert zur Meinungsfreiheit 2023: https://bit.ly/447VOVJ Kritischer Bericht des Deutschlandfunks zu ZDF-Gremien: https://deutschlandfunk.de/zdf-fernsehrat-staatsfern-politik-100.html Armutsrisiko Alleinerziehender: https://bit.ly/3LGke2e Bruttoinlandsprodukt 2024: https://destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25019811.html Stellenabbau in Unternehmen: https://bit.ly/4nUNOyu

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ich habe, glaube ich, früher oft Menschen auch verprellt, ohne dass ich es wollte, weil mir nicht wirklich klar war, wie sie oft Dinge reagieren.

00:00:08: Ich hatte früher immer die Überzeugung, wenn ich Argumente habe und ich lege das Schlüssel da, dann müssen die das doch verstehen.

00:00:14: Und wenn sie es nicht verstehen, sind sie bösenwillens.

00:00:17: Und das ist etwas, wo man Menschen auch oft dann unrecht tut und sie auch gegen sich aufbringt, ohne dass man das bewussten kann.

00:00:25: machen möchte.

00:00:26: Da, glaube ich, habe ich tatsächlich früher auch viele Fehler gemacht.

00:00:32: Willkommen im Hotel Matze.

00:00:33: Ich bin Matze hier schon.

00:00:34: Ich treffe mich hier mit Menschen, die mich interessieren und versuche herauszufinden, wie die so ticken.

00:00:38: Ein heutiger Gast ist Sarah Wagenknecht.

00:00:41: Sarah Wagenknecht ist Politikerin und Publizistin.

00:00:44: Sie war eine der prägnenden Figuren der Linkspartei, hat dann ihrer eigene Partei gegründet, das BSW.

00:00:50: Es war in der DDR nicht so, dass es viele Kinder gab, die dunkle Haare hatten, dunkle Augen.

00:00:55: Wenn ich irgendwo hin kam, wo Kinder waren, haben die gesagt, wie sieht denn die aus?

00:01:00: Dann hab ich mich zurückgezogen und hab mich quasi mit mir selber beschäftigt.

00:01:04: Und hab mir dadurch aber auch eine innere Haltung angeeignet, dass ich mich nicht so sehr an Gruppen um mich herum orientiere.

00:01:13: Ich mach mir wirklich Sorgen, wo wir hin.

00:01:16: und zwar nicht nur wegen dieser autoritären Tendenzen, sondern auch wirtschaftlich und sozial.

00:01:20: Wir erleben ja zurzeit auch eine Wirtschaftspolitik, die zur Folge haben wird, wenn sie sich nicht verändert, dass Deutschland kein führendes Industrieland bleibt.

00:01:31: Gibt es Momente, wo du dich fast über Treibis vielleicht ein bisschen mit der Angst mache?

00:01:36: Aber ich mache nicht Angst, die Ängste sind da.

00:01:40: Das Besondere an diesem Gespräch war, dass sie zwei Stunden, bevor wir gesprochen haben, in einer Pressekonferenz angekündigt hat, dass sie nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren möchte.

00:01:49: Also ein sehr spannender Moment mit ihr über Politik und auch ihr Leben zu sprechen.

00:01:55: Ich wünsche euch viel Vergnügen, Emotematze mit Sarah Wagenknecht.

00:02:10: Also gut, ich bin normalerweise, wenn ich jemand nicht so kenne, meistens per sie.

00:02:14: Aber wenn das üblich ist im Podcast, können wir gerne du machen.

00:02:17: Ja, das ist jetzt eine schwierige Frage.

00:02:19: Sieht man Frau Wagenknecht oder nicht, ne?

00:02:22: Lukas, was sagst du?

00:02:23: Ich würde duzen.

00:02:24: Ja, du würdest duzen, sorry, dann machen wir auf du.

00:02:26: Okay.

00:02:27: Wie schön.

00:02:28: Für Matze.

00:02:29: Okay, Sarah.

00:02:30: Gibst du gerne Verantwortung ab?

00:02:33: Eigentlich?

00:02:34: Also zur Entscheidung?

00:02:36: Ja, also ... Oder ja, ich gebe gerne Verantwortung ab, wenn es zum Beispiel, wie es ja jetzt ist, um organisatorische Parteimanagement-Aufgaben geht.

00:02:46: Da war ich, ich meine die wenigsten wissen, dass ja ich wollte ja ursprünglich gar nicht Parteivorsitzende werden.

00:02:51: Ich habe das ja dann gemacht, weil ich auch eingesehen habe und es war auch richtig in der ersten Phase, muss das sein.

00:02:57: Aber ich verstehe mich ja eher, weil das macht mir auch Spaß, als jemand, der inhaltliche, programmatische Impulse gibt, auch strategische.

00:03:07: Und wenn ich gar nicht mehr den Kopf dafür frei habe, weil ich den ganzen Tag Videokonferenzen mache und Telefonate und wirklich nur innerparteiliges Management, dann ist das keine gute Situation.

00:03:19: Ich habe mich das wirklich paar Mal gefragt.

00:03:21: Ich beobachte dich schon eine ganze Weile und habe gedacht, warum tut sie sich das an?

00:03:24: Also diesen ganzen, also ich hab mich gefragt, wer kommt jetzt?

00:03:28: Kommt jetzt ein Frührenner oder was passiert jetzt eigentlich heute?

00:03:31: Nein, also Frührennerin bin ich nicht.

00:03:35: Wie geht's dir jetzt?

00:03:35: Also du kommst gerade wirklich frisch von der Pressekonferenz und hast gesagt, dass du den Parteivorsitz im Grunde abgibst.

00:03:42: Ja, abgib's.

00:03:43: Ich habe ja auch mein Selben sehr bewusst mit der Aussage begonnen.

00:03:48: Ich muss all diejenigen, die sich darauf gefreut haben, enttäuschen.

00:03:50: Hier gebe ich keinen Rückzug bekannt.

00:03:52: Es ist kein Rückzug, sondern es ist eine Umverteilung von Arbeit, damit ich mich auf das konzentrieren kann, was wirklich für das BSW viel wichtiger ist, dass ich wieder inhaltliche politische Impulse geben kann.

00:04:04: Also wenn man Gerade eine neue Parteigröhnung, aber ich glaube, selbst wenn die Partei schon älter wäre, Parteien haben natürlich ein sehr, sehr vereinnahmenes Wesen im Sinne dessen, dass man irgendwann seine gesamte Zeit mit Organisationen und... Personalabstimmungen und internen Debatten jetzt nicht negativ.

00:04:27: Aber man muss sich ja mit allen abstimmen.

00:04:28: Man muss Konflikte beilegen.

00:04:30: Man muss mit Leuten reden.

00:04:32: Und das ist so zeitfüllend, dass man irgendwann zu nichts anderem kommt.

00:04:36: Und ich habe einfach gemerkt, dass mich das auch auffrisst und auch lahmlegt für die Dinge, wo ich eigentlich für das BSW viel wichtiger wäre.

00:04:45: Und wie geht es dir aber, wenn so etwas öffentlich dann bekannt zu geben?

00:04:50: Und die Partei ist ja total auf dich, also zumindest im Namen noch, sehr auf dich zugeschnitten, sehr auf dich ausgerichtet, ob jetzt gewollt oder nicht gewollt ist.

00:04:59: Aber so ist ja die Wahrnehmung.

00:05:01: Und dann jetzt vor zwei, drei Stunden standest du da und hast das so gesagt.

00:05:08: Wie geht es dir dann in so einem Moment?

00:05:10: Naja, unmittelbar ist ja erst mal noch gar nichts verändert.

00:05:12: Ich bin ja auch noch Parteivorsitzender, aber die Situation selbst haben wir ja, also ich meine, die ist ja jetzt für mich nicht neu.

00:05:18: Also die Entscheidung ist ja nicht vor einem Tag gefallen, sondern in dem Augenblick, wo wir Fabio De Masi überzeugen konnten, dass er das macht und wir auch noch ein paar andere überzeugen konnten, dass sie in die Führung kommen, hatte ich das Gefühl, das ist ein Team, dass die Aufgaben, die da auch anstehen, wirklich ... die das schaffen.

00:05:38: Und dadurch kann ich mich eben wirklich stärker auch wieder mit Dingen beschäftigen, die mir auch Freude machen.

00:05:45: Oder ich meine, alleine, wenn ich zu Hause diesen ... Entlos wachsenden Bücherstapel sehe, also nicht gelesene Bücher.

00:05:52: Also ich hab so die Eigenharte, dass ich immer mir Bücher bestelle, die ich irgendwie interessant finde, wenn ich irgendwo eine Rezinsur lese oder so.

00:06:01: Ja, genau.

00:06:01: Aber ich weiß nicht, ob die gelesen sind.

00:06:03: Teil,

00:06:04: die Hälfte ja.

00:06:05: Die gelesenen, die kommen ins Regal.

00:06:07: Aber die nicht gelesenen, die sind genauso wie dieser Stapel, die liegen vor dem Regal.

00:06:11: Also die ließen auch da, um zu stören, um mir immer wieder zu sagen, das geht so nicht, dass du kein Buch mehr liest.

00:06:18: Und wenn dieser Stapel, also dann ist dann der eine, der ist dann irgendwann so groß, dass er umkippt, dann muss ich den nächsten aufmachen.

00:06:23: Und wenn es dann wirklich vier oder fünf werden und ich einfach nicht mehr dazu komme, dann merke ich, dass ich geistig verarme.

00:06:30: Und das ist etwas, was ja dann auch meine Fähigkeit für die Partei Impulse zu geben, einschränkt.

00:06:38: Also auch öffentlich zu wirken, wenn man irgendwann Ich hatte das schon mal in meiner Biografie damals, wo ich bei der linken Fraktionsvorsitzende war.

00:06:46: Das war noch aus anderen Gründen.

00:06:47: Also das will ich jetzt nicht vergleichen mit heute, weil da gab es ganz viele Internedreibereien.

00:06:51: Das haben wir BSW so zum Glück nicht.

00:06:54: Aber da hatte ich auch schon eine Phase, wo ich einfach zu nichts mehr gekommen bin, was mich auch weiterbringt.

00:07:01: Und das ist nicht befriedigend.

00:07:03: Und ich wusste klar, als ich die Partei gegründet habe, dass das am Anfang ... auch eine sehr herausfordernde Zeit wird, dass das auch notwendig ist, dass ich erst mal fulltime wirklich für alles zur Verfügung stehe, was Parteiaufbau betrifft.

00:07:17: Das war nicht vermeidbar.

00:07:20: Aber inzwischen ist die Partei in so weit konsolidiert, dass sie eben alle Kreisverbände inzwischen hat.

00:07:26: Wir haben über sieben Tausend Mitglieder und vor allem, wir haben Leute, die eigentlich das sogar besser können als ich.

00:07:32: Und wenn ich dann ihnen das abgeben kann, bin ich wirklich froh und auch erleichtert.

00:07:38: Und ich freue mich drauf, jetzt zum Beispiel die Grundwerte-Kommission aufzubauen mit interessanten Leuten und da wirklich spannende Debatten zu führen und auch zu versuchen, die in die Gesellschaft wieder stärker auch zu tragen.

00:07:50: Und auch das, was BSW ausmacht, wieder kändlicher zu machen.

00:07:56: Also wir sind ja gestartet und hatten ein riesiges Wählerpotenzial.

00:08:00: Und ich glaube das, oder ich glaube nicht nur, sondern ich bin mir relativ sicher, Wir haben unser Profil seitdem ein bisschen verengt, weil es zu wenig Impulse nach außen gab.

00:08:13: Also wir sind als klare Friedenspartei, das wird, glaube ich, auch wahrgenommen und das wird ja auch von vielen unterstützt.

00:08:19: Aber die anderen, unsere wirtschaftspolitische Positionierung, unsere Sozialpolitik, unsere Innenpolitik, gerade auch unsere Position zu Liberalität, zu Meinungsfreiheit.

00:08:32: auch Positionen zu Digitalisierung, vieles andere.

00:08:35: Da gibt es ja sehr interessante Ansätze bei uns.

00:08:38: Und das war eigentlich auch am Anfang alles mit BSW, aber das ist irgendwie verkümmert.

00:08:42: Warum ist das verkümmert?

00:08:43: Ja, weil ... Es vielfach auch mit meinem Namen verbunden war, ich aber nicht mehr die Zeit hatte, das nach außen zu tragen.

00:08:49: Also wenn man den ganzen Tag zum Beispiel telefoniert und die Nachrichten gar nicht mehr verfolgt, dann äußert man sich auch nicht mehr zu den Dingen, die passieren.

00:08:59: Man kriegt zu spät mit, dass irgendwo einer was entschieden hat und Politik lebt ja davon, dass man sich ... auch positioniert.

00:09:07: Also was weiß ich, März macht irgendwas oder ein anderer Minister und man will sich eigentlich dazu positionieren.

00:09:12: Man verfolgt das aber gar nicht mehr, weil man völlig zu ist mit Management-Aufgaben in einer parteilichen Art.

00:09:20: Dann verliert die Partei nach außen Profil.

00:09:22: Und wir haben eben auch das Problem, wir sind in zwei Koalitionen gegangen, ohne die Chance zu haben, die wirklich strategisch vorzubereiten, weil wir waren ja neu.

00:09:30: Wir haben ja im Grunde so was gab es ja noch nie.

00:09:33: Eine Partei, die sich gründet im Januar und dann sitzt sie im Herbst in Koalitionen, also in Regierungen.

00:09:40: Und das hat natürlich auch gekostet, weil wir da nur begrenzt unser Profil schon vorher so geschärft hatten, dass klar war, wie verhalten wir uns zu ABC?

00:09:50: Sondern das war dann eben oft so Atok und teilweise sind auch Entscheidungen getroffen worden, die dann vielleicht auch unsere Anhänger auch begründet sagen, ja, das war doch gar nicht das, was das BSW mal wollte.

00:10:02: nicht aus bösem Willen, sondern einfach auch, weil nicht jeder, der in der Partei ist, sofort die Programmatik verinnerlicht.

00:10:09: Bei neuen Parteien ist das ja ein echtes Problem.

00:10:12: Und gerade, wenn eine Partei nicht so in diese Rechts-Links-Schablone passt, also ein Profil hat, das eben anders ist als andere Parteien und gerade dadurch eine Repräsentationslücke füllt, das ist nicht so, dass alle das sofort ... Erkennen und wahrnehmen.

00:10:27: und dadurch haben wir auch verloren und ich möchte das wieder.

00:10:30: Ich möchte diese Menschen wieder zurück gewinnen.

00:10:32: Ich möchte wieder das BSH für all das steht, was die Menschen auch mit meinem Namen verbunden haben, aber eben nicht nur mit meinem Namen, sondern auch mit dem Team, was wir jetzt haben.

00:10:43: Da sind ja viele, die wirklich auch das unterstützen, was ich will.

00:10:48: Ich denke, auch gerade die Leute, die ich in die Grundwertekommission hoffentlich holen kann, die ich gewinnen werde, das sind ja dann auch renommierte Persönlichkeiten, die das vertreten, wo für BSW steht.

00:11:00: Also warum tun Sie sich diese Parteipolitik an?

00:11:03: Bei letzten Endes, also wenn ich mir jetzt das so überlege, Sie haben wahnsinnig viel erreicht.

00:11:09: Sie sind ewig Politikerin.

00:11:12: Und jetzt haben Sie, sehen Sie, die Bücherstapel zu Hause und als Mahnmal.

00:11:18: Das, was ihnen Spaß macht, oder das, was ich auch in ihrer Biografie, das merkt man ja auch voll, wenn man sich ihre Kindheit jungen und alles anguckt, wie gerne sie lesen und Gedanken formulieren.

00:11:27: Und genau dieses Management, das habe ich da auch irgendwo gesehen und immer mit anderen irgendwie alles so zusammen, was man so machen muss den ganzen Tag.

00:11:34: Aber sie könnten ja eigentlich zu Hause sitzen, die Bücher lesen und ab und zu melden sie sich mal.

00:11:41: So ein bisschen wie das dann der späte Helmut Schmidt gemacht hat.

00:11:48: Sie hätten diesen ganzen Taranich.

00:11:50: Oder du hättest den ganzen Taranich.

00:11:52: Du hättest den ganzen Taranich.

00:11:54: Warum tust du dir weiter diese Parteipolitik an?

00:11:57: Und diesen Politikbetrieb auch?

00:11:59: vor allen Dingen, den noch eine Klammer.

00:12:01: Da hab ich das Gefühl, den magst du eigentlich gar nicht.

00:12:05: Ja, der Politikbetrieb ist ja auch nicht so, dass man ihm besonders mögen kann.

00:12:09: Auf der anderen Seite haben wir nun mal eine Gesellschaft, wo nur über Parteien politischer Einfluss möglich ist.

00:12:17: Ja, wie sonst?

00:12:18: Also wir haben eine Parteiendemokratie, also man kann ja nicht als, also zum Beispiel Frankreich oder so, kann man als Präsidentschaftskandidat antreten ohne Part, also muss dann zwar irgendwie eine Unterstützung haben, aber man muss nicht sozusagen Partei sein.

00:12:31: Deutschland wird das Parlament über Parteien gewählt.

00:12:35: Also wenn man keine Parteienrücken hat, kann man nichts bewegen.

00:12:37: Und die Frage ist eben, will man sich damit begnügen als Publicistin?

00:12:44: Ja, Anstöße, Denkanstöße zu geben.

00:12:47: Also ich stand ja in meinem Leben eigentlich zweimal vor dieser Frage.

00:12:50: Einmal ganz am Anfang, direkt nach dem Studium, wo ich, sag mal, wäre ich jetzt so nach meinen Neigungen gegangen, eher eigentlich so an einem Universitätskarriere angestrebt hätte, also Professor für, weiß ich nicht, Volkswirtschaftslehre oder aber auch ... Ich meine, selbst studiert habe ich ja zur nächsten Literatur und Philosophie und dann eben erst ... wenn die Ökonomie promoviert.

00:13:14: Also gehe ich an die Uni und schreibe gute Bücher und halte gute Vorlesungen und das ist es.

00:13:20: Und damals habe ich mir irgendwie gesagt, das reicht nicht.

00:13:23: Ich will ja auch was verändern.

00:13:24: Ich bin unzufrieden mit der Gesellschaft und die heutige ist ja noch um vieles problematischer.

00:13:30: Also wenn man sich jetzt gerade die aktuelle Politik anschaut, diese warnwitzige Militarisierung, die die Angst vor Krieg, die ich für sehr real halte, aber eben weil Die Politik so ist, wie sie ist, nicht weil zwangsläufig irgendwie wie ein Krieg mit Putin oder mit Russland steuern, sondern weil er nicht verhindert wird.

00:13:51: Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung, wenn die Industrie... Das

00:13:54: ist mal kurz bei diesem zweiten Moment noch bleiben wurde, den hattest.

00:13:57: Ja,

00:13:57: der zweite Moment war damals, wo ich dann gemerkt habe, das, was die Linke vertritt, kann ich nicht mehr wirklich vertreten.

00:14:04: In vielen Punkten, da war die Migrationspolitik, da war aber auch die... Auch die Art der Sozialpolitik, also ich bin für einen starken Sozialstaat, aber ich finde, dass das Entscheidende ist, dass man Menschen auf Stickschancen gibt, dass sie die Zugang zu Bildung zu bekommen.

00:14:20: Ich finde es viel zu paternalistisch zu sagen, wir brauchen jetzt ganz viel Bürgergeld und müssen sozusagen Armut abfedern, weil Menschen müssen die Chance haben, sich aus Armut herausarbeiten zu können, indem sie die Möglichkeit haben.

00:14:35: Da hatte ich Differenzen.

00:14:37: Die ganze Frage der Klimapolitik halte ich nicht.

00:14:40: Sie ist so ideologisch verblendet.

00:14:43: Ich will auch das Klima schützen und vor allem die Umwelt auch schützen.

00:14:47: Ich will nicht, dass wir die immer mehr zerstören, aber es muss funktionieren.

00:14:49: Es müssen Technologien da sein, die überhaupt ein verantwortungsvolleres Wirtschaften ermöglichen.

00:14:55: Das heißt, ich habe irgendwann den Punkt gesehen, Die Linkenposition, also die Position der Partei, die Linke, die kann ich eigentlich so nicht mehr vertreten.

00:15:05: Es gab ja auch Ausschlussanträge gegen mich.

00:15:09: beim Buch, die selbstgerechten veröffentlicht habe, war ich im Grunde in der Partei auch wirklich undurch.

00:15:15: Also sie wollten mich nicht mehr und ich hab sie ja eigentlich auch nicht mehr wirklich so.

00:15:18: Du wolltest die auch nicht mehr.

00:15:20: Also das heißt, da war klar, also aus der Partei muss ich raus.

00:15:23: Das hat keinen Sinn, wenn ich noch in den Spiegel gucken will, kann ich das nicht mehr vertreten.

00:15:28: So und dann war eben die Frage, okay, scheide aus, also hätte ich ja machen können, dann mit dem Ende der Legislatur und werde Publizistin.

00:15:38: oder, das war ja die zweite Option, ich gründe mit anderen gemeinsam eine neue Partei.

00:15:44: Und ich habe gemerkt, auch bei den Buchlesungen, die ich gemacht habe, bei den Veranstaltungen, da, wo ich unterwegs war, wie viele Menschen sich doch wünschen, dass es ein neues politisches Angebot gibt, weil sie sich mit den bestehenden Parteien nicht identifizieren, weil sie mich auch wirklich immer wieder aufgefordert haben, hier ein neues Projekt auf den Weg zu bringen.

00:16:06: Und es war halt auch dieser Zwiespalt, das ich gemerkt habe.

00:16:09: Also es werden ja ständig junge Parteien gegründet und die meisten gehen langlos unter.

00:16:14: Also wenn man nicht relativ bekannt ist, wenn man nicht relativ viele Menschen hat, die auch Zuspruch geben und so ein Projekt dann auch unterstützen, hat es keinen Sinn.

00:16:23: Das heißt, eine neue Partei, bei der ich ... nicht mitgemacht hätte, wäre wahrscheinlich auch nicht erfolgreich gewesen.

00:16:31: Und deswegen habe ich dann doch nach hin und her überlegen gesagt, okay, ich mache mit.

00:16:37: Wir bauen das gemeinsam auf.

00:16:39: Ich wusste, dass das zunächst mal ein Höllenstress wird.

00:16:41: Das ist auch so und das ist auch okay.

00:16:44: Aber es war ...

00:16:45: Für wie viele Stunden pro Woche reden wir hier?

00:16:47: An Stress?

00:16:49: eigentlich vom Aufstehen bis ins Bett gehen.

00:16:53: Wie viele Stunden schläfst du?

00:16:54: Ja, eben auch nicht so viel, wie man gesunderweise schlafen sollte.

00:16:57: Und das ist auf Dauer, geht das auf die Substanz.

00:17:00: Also, ich bin schon ein Mensch, der eigentlich acht Stunden schlaf braucht.

00:17:04: Und wenn das dann über eine längere Phase immer deutlich weniger ist, dann wird man irgendwann auch müde.

00:17:11: Also dann ist man irgendwann nicht mehr so fit, dann wird man auch schlechter.

00:17:14: Also einfach in den normalen Dingen oder früher habe ich mich zum Beispiel, wenn ich irgendwo öffentliche Auftritte hatte, wenn ich eine Talkshow hatte, ich habe mich vorbereitet.

00:17:23: Und ich hatte gar keine Zeit mehr, jetzt nicht vorzubereiten.

00:17:26: Dann kann man sagen, irgendwann kann man es vielleicht auch so, aber es ist besser, wenn man zum Beispiel vorher wirklich eine gewisse Ruhr hat, sich darauf konzentriert, was man sagen will, auf das Thema vielleicht noch ein bisschen sich Sachen anguckt.

00:17:37: Also, weil man bis kurz, bevor man irgendwo auf einer Bühne sitzt, tausend andere Sachen macht und auf einmal sitzt man da und muss dann auch wieder performen.

00:17:46: ist da erst mal noch gar nicht so richtig geistig dabei.

00:17:49: Und das heißt, ich war dann auch, ich merkte auch, ich bin einfach dauerüber müdet und nicht mehr so fit, wie ich das gerne wollte.

00:17:58: Und dann hab ich eben auch mit den anderen gesprochen.

00:18:01: Also ich hatte es eigentlich von Anfang an gesagt, ich hab gesagt, okay, eine Legislatur mach ich den Parteivorsitz, aber das war eigentlich von Anfang an klar nicht auf Dauer.

00:18:09: Also mein Plan war ja, und der ist ja teilweise auch aufgegangen, dass wir erst mal ... schöne Landtagsergebnisse haben und bei der Europawahl ein gutes Ergebnis.

00:18:19: Das haben wir erreicht.

00:18:20: Und ich wollte dann die Partei wieder in den Bundestag führen.

00:18:24: Und dann war sowieso klar, dass ich mich darauf konzentriere, Fraktionsvorsitzende zu machen.

00:18:29: Und ich gehe davon aus, dass wir tatsächlich, wenn korrekt ausgezählt wird, im Bundestag sind.

00:18:33: Das heißt, ich habe auch heute nochmal ja gesagt, also ich natürlich stelle, werde ich dann als Fraktionsvorsitzende gerne zur Verfügung stehen, weil das ist auch etwas, was mir auch Freude macht.

00:18:42: Aber selbst das ist doch Fraktionsvorsitz, ist da da auch erstmal, also auch schon, also zumindest wie ich es verstehe.

00:18:48: Ich bin nicht so firm im Politikbetrieb, aber alles, was ich da dazu kenne, ist ja auch... neue Leute anborden.

00:18:55: Die müssen Büros gefunden werden.

00:18:59: Da müssen dann natürlich auch die ganzen alltäglichen Sachen, von denen du hast, auch gerade schon gesprochen hast.

00:19:03: Also dieser Verwaltungsapparat würde ja nicht weggehen, auch für dich, wenn du Fraktionsvorsitzende wärst, oder?

00:19:09: Ja, weil da kann man schon auch... leichter delegieren.

00:19:12: Also wenn man zum Beispiel einen sehr guten parlamentarischen Geschäftsführer hat, also ich hatte ja als ich Gruppenvorsitzende war, da war Jessica Tatti um eine parlamentarische Geschäftsführerin, die hat mich von vielen dieser Dinge auch wirklich quasi entlastet, weil die das einfach verlässlich alles gemacht hat.

00:19:27: Also man muss dann um sich herum schon Leute haben und die hätten wir jetzt, wenn wir einen ziehen würden.

00:19:34: Ich weiß ja, wer kandidiert hat, wer dann ein Bundestag käme.

00:19:38: von vielen solchen Dingen einetlasten kann.

00:19:41: Und beim Parteivorsitz ist es aber anders, weil da ist man die letzte Instanz.

00:19:45: Da kann ich nicht sagen, ich kann nicht einem Landesvorsitzenden sagen, melde dich doch bitte statt bei mir beim Geschäftsführer oder selbst beim Generalsekretär.

00:19:54: Das geht begrenzt, aber es geht eigentlich nicht wirklich.

00:19:58: Und als Fraktionsvorsitzender muss man vor allem, man muss im Plenum gute Reden halten, man muss öffentlich seine Position vertreten.

00:20:06: Und kann sich eigentlich auch darauf konzentrieren.

00:20:08: Und das ist schon etwas, also wenn ich jetzt einfach sehe, diese Regierung, das ist so unsäglich.

00:20:15: Und natürlich würde ich gerne diesen März, das im Bundestag an den Kopf werfen.

00:20:20: Ich meine, ich hatte ja... Aber

00:20:20: du kannst dem doch das auch so sagen.

00:20:22: Also, ich verstehe das aus einer... Aber du hast ja selber einen riesen YouTube-Kanal, du hast einen riesengroßen Instagram-Kanal, du hast eine große, wie man so schön sagt, Community und du bist... also du warst auf jeden Fall mal die häufigste Talkshow-Gästin und man sieht das ja auch an.

00:20:47: Menschen, keine Ahnung, wie Richard David Brecht, wie Harald Welzer, das sind ja Leute, die auch nicht brutal politisch sind, aber da merkt man schon, die haben mir einen Impact, haben aber genau das, was du eigentlich dir wünschst, die lesen wahnsinnig viel, die schreiben und dann gehen sie in Talkshows und setzen Töne und gucken, was von den Themen lässt sich da tragen, aber haben diesen ganzen bürokratischen Wahnsinn nicht.

00:21:11: Hast du darüber

00:21:12: nachgedacht jetzt als du?

00:21:14: Natürlich habe ich darüber nachgedacht, aber es ist schon etwas, wenn man in Parlamenten ist, kann man auch abstimmen.

00:21:21: Wir sind weit weg von allen Mehrheiten, ganz klar, aber es ist trotzdem so, dass man dadurch auf andere Art ein Machtfaktor wird.

00:21:30: stärkeren Einfluss auf Politik hat, wenn

00:21:32: es richtig

00:21:32: macht.

00:21:33: Also wenn du jetzt in dem Bundestag wieder wärst und ihr würde dann jetzt die Auszählung, das ist ja das, was ihr gerade ankämpft, das nochmal neu ausgezählt wird.

00:21:42: Wenn wir zum Beispiel einziehen, ist die Regierung März Geschichte.

00:21:45: Also ganz praktisch.

00:21:46: Also die hat keine Mehrheit mehr.

00:21:48: Dann würde wahrscheinlich bis so sein, wie wär's dann?

00:21:51: Wäre er wahrscheinlich?

00:21:53: Wir werden die Grünen wieder in der Regierung.

00:21:55: Das ist jetzt nicht das, was dir gefällt.

00:21:57: Nein, ich glaube aber auch nicht, dass das so sein wird.

00:21:59: Das wäre der politische Selbstmord der CDU.

00:22:02: Also ich kann es mir nicht vorstellen.

00:22:03: Also es ist schon so, wenn man im Parlament ist, hat das direkte Auswirkungen auf die anderen.

00:22:08: Und die Parteien, die da nicht sind, deswegen ist es ja für uns jetzt auch wirklich ein Problem, dass wir da nicht präsent sind, haben weniger Möglichkeiten, Druck auszuüben.

00:22:18: Man kann mit seinen Positionen ganz anders auch andere Öffentlichkeit erreichen.

00:22:22: Also es ist ja schon so, dass wir von den Medien auch geschnitten werden seit, wenn nicht mehr am Bundestag sind.

00:22:27: Klar habe ich immer noch meine Social-Media-Kanäle.

00:22:30: Die will ich ja jetzt auch wieder stärker bespielen.

00:22:33: Das war ja auch ein Problem.

00:22:34: Also ich habe ja wirklich in den letzten zwei Jahren ... Zum Beispiel meine Wochenschau extrem unregelmäßig gemacht, weil ich sie nicht mehr geschafft habe.

00:22:43: Also das, was ich selber an Möglichkeiten habe, nicht mehr.

00:22:47: Weil die ist schon arbeitsintensiv.

00:22:50: Man muss sie vorbereiten, man muss recherchieren.

00:22:52: Und die Zeit will ich auch wieder haben.

00:22:54: Auch das ist etwas, was ich machen möchte.

00:22:57: Aber es ist schon im Bundestag, zum Beispiel auch mit einem Untersuchungsausschuss, der hat ja richtig Macht, also einen Untersuchungsausschuss einzurichten, was wir ja dann könnten.

00:23:06: mit der AfD zusammen.

00:23:07: Okay, aber das ist ja die Opposition.

00:23:09: Man kann das machen.

00:23:10: Der kann Akteneinsicht nehmen.

00:23:12: Der kann wirklich auch Politiker richtig unter Druck setzen.

00:23:15: Also kann man diese Maskendails aufklären.

00:23:17: Da könnte man auch die Coronazeit nochmal anders aufarbeiten.

00:23:21: Also es sind schon Möglichkeiten, die man im parlamentarischen System hat oder auch in den Landtagen.

00:23:26: Als ich meine, wir sind ja, ob wir das jetzt immer optimal genutzt haben oder nicht, ist eine andere Frage.

00:23:31: Aber als wir letztes Jahr in drei Landtage eingezogen sind mit entsprechenden Ergebnissen, dann da kann man wirkliche Veränderungen erreichen, wenn man es denn richtig macht.

00:23:43: Kann man mehr Veränderungen erreichen, wenn man regiert oder wenn man in deinem, also was ist für dich, wäre für dich besser mit regieren, also in der Verantwortung zu sein oder Opposition, oppositionell.

00:23:55: Ist das jetzt richtig, Druck auszuüben?

00:23:58: Also eine

00:23:59: Regierung hat dann Sinn, wenn man Partner hat, die zumindest ansatzweise an eine ähnliche Richtung gehen.

00:24:05: Dann ist natürlich eine Regierung besser, weil da kann man ja Dinge umsetzen.

00:24:09: Also ganz konkrete Dinge, die man dann verändert.

00:24:12: Also das haben wir beispielsweise in diesen Regierungen in einem kleinen Umfang in der Frage der Haushalte gemacht.

00:24:20: Also es wird jetzt in Thüringen und Brandenburg stärker investiert in den Kommunen, weil man da bestimmte Spielräume geschaffen hat.

00:24:26: Das wäre ohne uns nicht der Fall gewesen.

00:24:29: Aber wir haben eben, weil wir diese Regierung nicht wirklich vorbereiten konnten, zu wenige Punkte, wo wir dieses Druckpotenzial, was wir durch unsere Wahlergebnisse eigentlich hätten, wo wir das bisher ausgespielt haben.

00:24:42: Also es ist ja schon so, ich meine die CDU in Thüringen ist auf uns angewiesen.

00:24:46: Wir könnten jederzeit, wenn wir das denn wollten, mit der AfD Mehrheiten finden in bestimmten Positionen, wo Beschlüsse gefasst werden.

00:24:55: Das machen wir dann nicht, wenn wir in dieser Koalition auch etwas verändern können.

00:25:00: Aber ich finde, dass wir das stärker ausspielen müssen.

00:25:03: Auch diese, wenn man von sechzehn Prozent der Wähler gewählt wird, ist das ja auch ein Auftrag.

00:25:08: In Sachsen, glaube ich, machen wir das so weit geschickter.

00:25:12: Wir sind da zwar in der Opposition, aber wir stimmen dazu, wo wir tatsächlich Möglichkeiten haben.

00:25:18: Also nehmen wir es ganz praktisch, da ist jetzt ein Polizeigesetz, was verhandelt wird.

00:25:22: Und natürlich geht es darum, wird da weiter eine Regelabfrage beim Verfassungsschutz gemacht für Beamte oder kann man das kippen?

00:25:30: Wird in Sachsen irgendwann eine Software wie Palantir eingesetzt oder kann man das verhindern?

00:25:35: Von Peter Thiel, die Software.

00:25:36: Genau,

00:25:37: also dieses ganz schreckliche Überwachungs-Software, wo alle persönlichen Daten am Ende in die USA abfließen, wo die Leute gläsern werden, wo wirklich also das entmolloch.

00:25:47: Und wenn man sowas verhindern kann, ist das natürlich etwas, was ... meines Erachtens schon ganz kleiner Baustein ist, dass Menschen besser leben oder dass zumindest sie nicht so überwacht werden.

00:26:00: Also man kann schon etwas erreichen, man muss es eben nur machen und man muss es wissen, was man machen kann, was man machen sollte.

00:26:08: Und dafür braucht man eigentlich eine strategische Positionierung.

00:26:11: Und wir sind in die Regierung reingegangen, ohne diese Strategie zu haben, weil wir einfach zu neu waren, weil wir vorher noch nicht mal im Landtag waren.

00:26:18: Und dadurch haben wir auch Fehler gemacht, die dann viele Menschen enttäuscht haben, weil wir plötzlich von Entscheidungen überfordert waren.

00:26:25: Also nehmen wir jetzt zum Beispiel diesen Rundfunkstaatsvertrag, der verhandelt wird.

00:26:29: Also da geht es ja um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

00:26:32: und natürlich ist, glaube ich, Konsens im BSW, dass der aktuelle öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Katastrophe ist, weil er das Meinungsspektrum massiv einengt, weil es teilweise Propagandasendungen sind, weil wichtige Informationen nicht vermittelt werden.

00:26:47: Welche?

00:26:48: Gestern habe ich, glaube ich, letzte Mal wieder Nachrichten geguckt.

00:26:51: Da wurde also zum Beispiel über diese Enteignung dieses Schippherstellers gesprochen, wo die deutsche Autoindustrie dran hängt.

00:26:59: Und jetzt ist ja China bereit gewesen, wir liefern wieder, aber es wurde so dargestellt, dass die Chinesen einfach aus aus Spaß an der Freude eben diese Chips nicht mehr geliefert haben.

00:27:10: Das ist aber falsch, sondern die Chinesen haben diese Chips nicht mehr geliefert, weil der niederländische, das niederländische Tochterunternehmen de facto enteignet wurde.

00:27:20: Also die haben einfach ein Unternehmen, was einem chinesischen Konzern gehört, unter niederländische Kontrolle gestellt.

00:27:27: Also das ist etwas, was man eigentlich überhaupt nicht machen kann, haben sie aber und dann haben die Chinesen reagiert.

00:27:32: Solche Informationen werden weggelassen.

00:27:36: Solche Informationen werden wir gelassen.

00:27:38: Oder

00:27:39: die ganze Kriegspropaganda.

00:27:42: Sitz

00:27:42: da jemand in deinen Augen und sagt, nee, das können wir nicht senden, weil Punkt, Punkt, Punkt.

00:27:49: Also was ist deine These dazu, was in dem Moment, wenn du sagst, der wird Informationen zurückgehalten.

00:27:55: Also sind da Menschen deiner Meinung nach, die das aktiv machen oder fehlt in dem Moment Informationen.

00:28:01: Also was ist die Intention dahinter?

00:28:04: eines Öffentlich-Rechtlichen in der Nachrichtensendung.

00:28:06: Welche war das?

00:28:07: Tagesschau?

00:28:07: Tagesschau oder ZDF weiß ich jetzt gar nicht genau.

00:28:10: Welche Intention steckt deiner Meinung nach dahinter, dass ich und du, dass wir was sehen, was nicht, stimmt?

00:28:15: Ja oder man einfach was weglässt oder was stimmt.

00:28:18: Ja, schon der Einfluss der Parteien und die Regierungskonformität.

00:28:21: Also was die Erzählung der Regierung zu sehr stört, wird gerne mal ausgeklammert.

00:28:26: Also bei der ganzen Frage von Krieg und Frieden ist es doch auch extrem.

00:28:29: Moment.

00:28:34: Also wenn du das so sagst, dann würde ich jetzt denken, dass da sitzt eine Redaktion und die bringen einen Beitrag über einen Schipphersteller.

00:28:43: Und dann gibt es die Informationen des niederländischen Partners.

00:28:48: Und so wie du es gerade erzählt, klingt das so, als würde dann Jens Spahn anrufen und sagen...

00:28:53: Ich glaube, das ist so eine Selbstsensur.

00:28:56: Also die Selbstzensur, da hast du auch viel in deinem Buch auch drüber geschrieben.

00:29:00: Und ich finde, das ist auch ein wichtiges Thema, Selbstzensur.

00:29:02: Warum ist die eigentlich so gerade wie du und ich?

00:29:04: Wir sind aus der ehemaligen DDR, fragen uns natürlich, woher kommt die Selbstzensur?

00:29:08: Was ist da eigentlich los?

00:29:09: Aber so wie du es gerade erzählt hast, klingt es nicht nach Selbstzensur, sondern nach Regierungskonform.

00:29:17: Ja, beides.

00:29:18: Also was ich zum Beispiel weiß, ist, dass ... Die Sendungsleitung, auch bei Talkshows, also ZDF und auch ARD, sich immer noch mal das letzte Wort... quasi ja rausnimmt, was die Besetzung von Torgschuss angeht.

00:29:34: Also ich weiß zum Beispiel, wer nimmt

00:29:35: das

00:29:35: raus?

00:29:36: Also der Sender.

00:29:37: Also die Torgschuss sind ja eigentlich eigenständig.

00:29:40: Also Markus Lanz hat eine eigenständige Reaktion.

00:29:42: Eine Reaktion und Ilna und Maysperger.

00:29:44: Und trotzdem gibt es immer noch mal das Go des Senders zu einer bestimmten Personaliste oder aber auch das Nicht-Go.

00:29:52: Also ich weiß zum Beispiel, dass ich in der Corona-Zeit, nachdem ich also völlig im Nachhinein noch sich einen Kopf fasse, hatte ich in einer Ahne-Wilse... einfach gesagt, dass ich nicht geimpft bin und dass ich diesen sehr schnell entwickelten Impfstoffen mit großer Skepsis entgegen sehe, aber natürlich niemanden irgendwie vorschreiben will und so weiter.

00:30:11: Aber das war damals, also es war irgendwie staatsgefährdend, dann hatte ich richtig eine gewisse Sperre für eine Zeit.

00:30:18: Das haben mir auch Redaktionen gesagt, dass man mich da nicht einladen konnte, also dass ich wirklich auch rausgeflogen bin.

00:30:24: Und wer hat das dann gesagt?

00:30:25: Also ruft dann also ...

00:30:26: Ja, also die Sendungsleitung.

00:30:28: Natürlich läuft das nicht so wie in der DDR, wo meines Wissens, also ich war da nicht damit befasst, aber ich glaube, da war es wirklich so, dass das Politbüro direkt angerufen hat und gesagt hat, mach das und sag das.

00:30:42: Heute ist das ja viel, viel diffiziler.

00:30:45: Ich denke, dass die Journalisten wissen, was von ihnen erwartet wird.

00:30:49: Und natürlich ... haben ja auch inzwischen Journalisten, die sich nicht an dieses Muster gehalten haben, das wird ja dann immer wieder öffentlich, wenn dann einer irgendwo rausfliegt oder wenn ein Journalist zum Beispiel in eine Anhörung sagt, okay, ich bin dann eben kaltgestellt worden, weil ich in den und den Fragen nicht mit dem Mainstream argumentieren wollte, weil ich eine andere Sicht eingebracht habe, hat man mich dann eben nicht mehr richtig keine Aufträge mehr.

00:31:17: Und wir haben ja im Journalismus tatsächlich auch das Problem sehr viele.

00:31:20: Journalisten sind inzwischen freie Journalisten oder teilweise haben sie auch befristete Verträge.

00:31:26: Und jemand, der natürlich in einer solchen Lebenssituation ist und weiß, dass wenn man zu sehr von dem herrschenden Narrativ abweicht, dass man dann eben nicht mehr eine Perspektive und eine Karriere Chance hat, ja gut, dann hält man sich dran.

00:31:40: und dadurch.

00:31:42: haben wir leider eine Medienlandschaft und ganz speziell auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die eben sehr, sehr stark bestimmte Erzählungen bedient und andere Informationen, die man im Internet findet, kommen da einfach nicht vor.

00:31:56: Das ist ja auffällig.

00:31:57: Also es ist ja wirklich kenntlich.

00:31:59: Und wie das genau passiert, wie die genauen Mechanismen sind, hundertprozentig weiß ich es auch nicht.

00:32:05: Ich sehe nur das Ergebnis.

00:32:07: Und das Ergebnis ist unerfreulich, weil es natürlich auch bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung berechtigt sagt, meine Position ist da überhaupt nicht mehr vertreten, die wird manchmal nicht mehr ernst genommen.

00:32:18: Aber ist es nicht so, dass... Also ich bin ein Kind der Achtziger, Neunziger, jetzt mal so ganz pauschal, und da gab es eigentlich immer... Bei mir drehten sich alles um musikalische Gruppen.

00:32:32: Also du dürftest Metler sein, aber auf gar keinen Fall Techno hören.

00:32:35: Und du konntest Hip-Hopper sein, du dürftest dann aber auf gar keinen Fall Grofti sein, sowas.

00:32:39: Und man war und natürlich gab es bei uns auch auf dem Land ganz klar Links, Rechts, Zecke, Nazi und so weiter.

00:32:46: Aber weil du über diese Position sprichst, dass sich Menschen nicht vertreten fühlen, hat es nicht auch was damit zu tun, dass wir eine unglaublichen komplexen Welt leben.

00:32:55: und wenn man sich dich anguckt.

00:32:58: Also wenn man, also man hat ja wirklich versucht, wie alt bist du jetzt?

00:33:02: Sechsundfünfzig.

00:33:03: Sechsundfünfzig versucht dich irgendwie wahrscheinlich sechsunddreißig Jahre irgendwo eine Schublade rein zu packen.

00:33:08: Und es ist ja nicht gelungen.

00:33:10: Und ich glaube, es geht ja ganz vielen anderen Menschen auch so.

00:33:12: Und man hat das ja auf den Corona-Demos gesehen, was dafür verschiedene Menschen zusammenkommen.

00:33:17: Und so sehe ich das auch mittlerweile in der Musik, dass es eben nicht mehr nur Mettler sind, sondern da gehen Mettler zu Hip-Hop-Konzerten und alles vermischt sich.

00:33:25: Und dann kann man sagen, ja, wo ist denn eigentlich Deswegen dieser blöde Musikvergleich, weil ich so von der Musik komme.

00:33:29: Wo ist denn eigentlich mein Magazin, was ich höre, Hip-Hop und Metal und das und das genauso politisch?

00:33:35: Also ich glaube, es ist einfach total schwierig, es alle Positionen abzubilden in dieser unglaublich komplexen Informationsvielfalt.

00:33:46: Also mir fällt es schwer zu sagen, also ich frage mich eher, wie viel muss ich mir noch über Donald Trump?

00:33:52: anhören oder angucken, reicht's nicht irgendwann.

00:33:55: Aber wer bin ich denn, dass ich das sage?

00:33:57: Also da muss ich halt nicht hin, schalte ich halt ab.

00:33:59: Also deswegen, ich hab so leichte Verschwörungs-Vibes, wenn du das so sagst.

00:34:06: Na, Verschwörung ist es ja nicht.

00:34:08: Also erst mal das Medien, das gerade auch ein staatlich, also wir haben ja die Parteienvertreter in den Aufsichtsgremien, also das ist ja auch bestimmte und die haben natürlich Einfluss und die, so mal sie, verteidigen auch die Sebastian.

00:34:24: Das ist ja schon erkennbar.

00:34:26: Und soweit ist das ja keine Verschwörungstheorie, dass sie natürlich auch einen Fluss auf die Senderinhalte haben.

00:34:32: Das ist ein Problem, weil, klar, wenn du jetzt sagst, die ganze Vielfalt kann man nicht abbilden, na ja, also so vielfältig, also bei der Frage von Krieg und Frieden zum Beispiel gibt es ja eigentlich nicht tausend Positionen, sondern ein Spektrum, wo die eine Seite sagt, Putin wird uns demnächst überfallen und deswegen müssen wir wahnsinnig aufrüsten.

00:34:54: Sonst steht der vom Pannenburger Tor und dann gibt es die anderen, die sagen, schaut euch doch einfach die realen Kräfte.

00:35:02: Russland ist der NATO um Längen unterlegen, auch heute schon, was konventionelle Streitkräfte angeht, was Soldaten angeht.

00:35:10: Wir brauchen jetzt nicht eine warnwitzige Aufrüstung, sondern wir brauchen unser Geld für anderes.

00:35:17: im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fast nur noch die eine Position vertreten wird.

00:35:21: Und auch immer wieder.

00:35:23: dann, also teilweise ja auch verschwörungstheoretisch, geraunt wird, jeder Hobby-Drohen-Pilot, der irgendwo eine Dreone über einen Flughafen schickt, das sei irgendwie ein Agent Putins, dann hat man das Gefühl, hier wird Meinung gemacht, also hier wird eine Stimmung geschöert.

00:35:39: Und das ist mein Gefühl zumindest sehr deutlich und das finde ich befremdlich.

00:35:45: Aber ich seh dich doch auf dem

00:35:46: Fernsehen.

00:35:47: Also ich sehe dich doch die letzte Woche bei Lanz zum Beispiel, ich

00:35:50: sehe

00:35:50: dich

00:35:50: gut.

00:35:50: Einmal im Jahr.

00:35:53: Naja, aber dann davor warst du...

00:35:57: Sie haben mich lange Zeit tatsächlich auch eingeladen.

00:35:59: Allerdings muss man sich schon angucken.

00:36:03: Das BSW war immer unterrepräsentiert.

00:36:06: Das war natürlich sehr auf dich zugeschnitten.

00:36:08: Aber

00:36:08: wir haben ja andere gute Köpfe.

00:36:10: Sie hätten ja durchaus auch Fabio Domasi vorher einladen können.

00:36:13: Sie hätten Ralph Zurich hat oder Sherwin Huck schon.

00:36:16: Ich

00:36:16: wollte immer jemanden von der FDP sprechen haben.

00:36:20: Ich habe von der FDP jahrelang wirklich ... Namen angeboten bekommen von denen ich noch nie gehört habe.

00:36:25: und irgendwann kam dann Christian Lindner und es ist genauso würde ich jetzt.

00:36:29: Ich würde natürlich auch mit dir sprechen wollen und genauso wenn die Toten Hosen neues Album rausbringen.

00:36:35: Klar ist Kuddel ein super Typ, aber ich will natürlich mit Campino sprechen.

00:36:38: Also das ist ja normal.

00:36:39: Nur, wie soll dann der Kuddel je Campino werden, ne?

00:36:43: Der ist halt Gitarist, so ist es normal.

00:36:46: Ja, aber in Parteien ist es ja schon, sagen wir mal, warum kennt man von anderen Parteien mehr Leute als von uns?

00:36:52: Weil mehr Leute eingeladen werden.

00:36:53: Also nicht weil sie so toll

00:36:54: performen.

00:36:54: In anderen Parteien gibt es einfach auch schon lange, oder?

00:36:57: Na ja, aber die Köpfe, die da drin sind, werden dadurch bekannt, dass man sie einlädt.

00:37:01: Ich kenne von die Linke auch nur Heidi Reicheneck und Jan von Aken.

00:37:05: Das sind die beiden, die ich kenne.

00:37:12: Okay.

00:37:16: Also man kann schon mehr einladen, dann kennt man auch mehr, wenn man nicht mehr einlädt, kennt man nur eine.

00:37:20: Aber

00:37:20: das wird ja jetzt anders sein, glaube ich, durch die Veränderung, die du jetzt vorgenommen

00:37:23: hast.

00:37:23: Ja, gut, ich hoffe, dass dann die entsprechenden auch eingeladen werden.

00:37:27: Also das ist, also wir sind schon ... Und vor allen Dingen muss man auch sagen, eingeladen werden ist das eine.

00:37:32: Aber wir haben natürlich in der Regel, wenn wir eingeladen werden, immer solche Formate, wie ich es jetzt quasi typisch wieder bei Lanz hatte.

00:37:40: Also es wird dann im Setting gemacht, dass mindestens drei Leute, wenn nicht vier, einem alle widersprechen.

00:37:47: Es gibt zum Beispiel eine völlige Einseitigkeit bei den sogenannten Experten.

00:37:51: Also die ist schlimmer als bei den Parteienvertretern.

00:37:54: Also meine Talkschuss leben ja immer davon, dass wir Politiker eingeladen werden.

00:37:58: Aber immer ja auch diese Experten.

00:38:01: Wer wurde in der Corona-Zeit ist ein ganz typisches Beispiel.

00:38:05: Welche tollen Experten haben uns da alle erfreut?

00:38:08: Da war ja kaum einer.

00:38:09: Also Hendrik Streeck vielleicht ein ganz bisschen.

00:38:11: Und der wurde ja auch nicht gerade sonderlich promotet.

00:38:14: Aber alle anderen Sogen an Experten haben uns alle erzählt.

00:38:17: Lockdowns sind notwendig, Kinder sind irgendwie.

00:38:20: Was war das damals?

00:38:22: Auf jeden Fall Pandemietreiber, Pandemie der Ungeimpften.

00:38:26: Die Impfung hat keine Nähe.

00:38:28: Also es waren bestimmte Experten, so wie heute auch die Militärexperten, die eingeladen werden.

00:38:33: Das ist kein Harald Kujat mehr dabei oder wir haben ja zum Beispiel auch Michael Lüders.

00:38:38: Das ist ein toller Experte für eine Ost-, aber auch für viele andere außenpolitische Fragen.

00:38:46: Der Mann wurde irgendwann nicht mehr eingeladen, weil er nicht mehr in den Mainstream passte.

00:38:50: Also ich würde sagen bei den Politikern kommt mal ab und an noch rein.

00:38:54: Aber bei den Experten machen sie eine ganz klare Meinungsdiktatur.

00:38:58: Und das ist dann auch in der Sendung natürlich ein Problem, weil man dann als Einzelner... drei sogenannten Experten oder auch bestimmte Journalisten gegenüber sitzt, die alle etwas anderes sagen.

00:39:11: Und das, so man nach außen soll das natürlich suggerieren.

00:39:14: Ja, dieser Politiker, der hat eigentlich eine Position, die ist völlig, völlig outside, völlig abgeschlagen.

00:39:22: Alle Experten sehen das anders.

00:39:23: Sehen aber nicht alle Experten anders, nur die eingeladenen sogenannten Experten.

00:39:28: Ich meine, das ist jetzt auch...

00:39:29: Aber es gab letzte Woche bei Landskatz, also... Da gab es auch den Moment, ich habe das gesehen und ich fand zu zwei Sachen, die fand ich nicht gut.

00:39:37: Ich fand tatsächlich deine Argumentation, wie selten du eingeladen wirst.

00:39:40: Ich hatte für mich auch einen komischen Vibe tatsächlich, weil ich dachte, naja, ich glaube, es war auch in der Sendung, dass es jemand sagt oder vielleicht war es eine Stimme im Kopf.

00:39:49: Du hast dich aber nicht beschwert, als du so viel eingeladen worden bist.

00:39:53: Und es gibt manchmal Zeiten, da ist man mehr gefragt oder weniger gefragt.

00:39:57: Aus welchen Gründen auch immer.

00:39:58: Und ich fand es aber auch unerhört, wie sehr du gegengeschnitten wurdest, als die Vertreterin von Pussy Riot die ganze Zeit gesprochen.

00:40:05: Das fand ich auch unlauter.

00:40:06: Das war auch so gegenschnittig.

00:40:09: Aber wenn du sagst, Meinungsdiktatur, ich meine, wir als ehemalige DDR-Bürger, also das ist schon ein harter Begriff für dich, das sozusagen.

00:40:18: Also das würde ja bedeuten, da sitzt ein Diktator oder mehrere und sagen, das ist jetzt die Meinung.

00:40:25: Und ich verstehe, also das... Da frage ich mich gerade, wie kommst du zusammen?

00:40:32: Also das ist ja schon

00:40:33: ein harter... Ja, Meinungsdiktatur würde ich tatsächlich jetzt nicht mehr gegenüber, weil ich bin ja nicht unter Druck.

00:40:40: Und klar, wir haben nicht wie in der DDR eine Stasi, oder dass man ins Gefängnis kommt, weil man seine Meinung sagt, aber wir haben schon einen wahnsinnigen Meinungsdruck.

00:40:49: Also Menschen, die im normalen Leben, ich meine, warum sagen inzwischen nur noch vierzig Prozent, dass sie sich trauen, öffentlicher Meinung zu sagen?

00:40:57: Ein massiver Druck ausgeübt wird, weil es eben nicht mehr so ist, dass man irgendwo seine Meinung sagen kann und das hat keine Folgen für den Betreffenden.

00:41:04: Sondern in vielen Berufsweigen hat das ganz direkte Folgen.

00:41:07: Also wir haben zum Beispiel als BSW auch das Problem, dass wir... Menschen haben, die sich gerne für uns engagieren würden, auch Funktionen übernehmen würden, mir aber sagen, dann ist ihre Universitätslaufbahn beendet.

00:41:20: Sie haben einen befristeten Vertrag, BSW, irgendeine öffentlich sichtbare Funktion, Landesvorsitz oder ähnliches ist Schluss.

00:41:28: Oder Unternehmer, die sagen, wir wollen euch eigentlich unterstützen, aber wir haben Sorge, dass es dann im Netz Aufrufe gibt, Boykottaufrufe, dass unser kleines Unternehmen das nicht überlebt.

00:41:39: Und das gibt es ja alle.

00:41:41: Ich glaube, vielleicht muss man da ein anderes Wort finden als Meinungsdiktatur, weil es weibt tatsächlich ja immer mit, dass irgendjemand anruft und sagt, so machen wir das.

00:41:53: Also das denke ich, wenn du das so sagst.

00:41:55: Und ich verstehe tatsächlich auch überhaupt nicht, warum es so ist, dass... wie nennt man das denn?

00:42:03: Wenn Leute Angst haben, dass irgendwas passiert, du hast es erst schon gesagt, das ist so eine Selbstsensur, so die man da bringt.

00:42:09: Ich verstehe die aber nicht.

00:42:10: Ja, aber

00:42:10: auch verständlich ist.

00:42:12: Weil es wirklich inzwischen, also für viele DDR-Geprägte ist das doch so eine Art Deja vu, dass man heute wirklich wieder das Gefühl hat, wenn man sich öffentlich äußert, wenn man seine Meinung sagt, dass man dann Konsequenzen fürchten muss für seine berufliche Karriere, im schlimmsten Falle auch.

00:42:31: strafrechtlich.

00:42:32: Ich meine, es gibt ja diese ganzen Anzeigen jetzt immer häufiger wegen irgendwelcher Posts.

00:42:36: Das ist ja völlig absurd.

00:42:38: Teilweise gibt es dann schon Hausdurchsuchungen und solche Sachen.

00:42:41: Das dürfte doch nicht sein.

00:42:43: Also das ist ja schon befremdlich.

00:42:44: Oder Vereine, die öffentliches Geld bekommen.

00:42:47: Wenn die die falschen einladen, wird gedroht, dass man die die öffentliche Förderung streicht.

00:42:52: Also wir haben schon ein Klima auch der Kontaktschuld.

00:42:57: Also ich erlebe das ja auch immer, wenn man jetzt irgendwie Was weiß ich?

00:43:01: Eine Kundgebung, wenn man organisiert, man lädt einen ein, der ist vielleicht irgendwie umstritten.

00:43:06: Das ist ja auch so ein Begriff, also wie schnell ist man umstritten?

00:43:09: Das

00:43:09: machst du aber schon immer.

00:43:10: Ich bin schon immer umstritten, aber wenn man zu sehr umstritten ist, dann wollen andere nicht in der Nähe gesehen werden, weil sie dann auch umstritten sind und dann wird gar nicht mehr darüber diskutiert, warum man umstritten ist, sondern bestimmte Personen werden so aus der Debatte gedrängt, weil man will sich nicht mehr mit ihnen sehen lassen.

00:43:29: Also jetzt ich weniger als andere, die aber ganz massiv dadurch eben auch ... Nehmen wir eine ganz seriöse Frau wie Frau Krone-Schmalz.

00:43:39: Sie war früher D-Korrespondente in Moskau, die hat ... gute Analysen gemacht und heute wird sie also mit diesem Vorwurf irgendwie Putin-Verstähren versuchten eine Ecke zu stellen.

00:43:50: Und man ist so schnell in einer Ecke, also ohne dass man irgendwie, also natürlich gibt es Spinner und es gibt Verschwörungstheoretiker und es gibt Idioten, es gibt alles und man muss nicht alles gut finden, was Leute irgendwo vertreten, aber es sind immer mehr, die eigentlich eine sehr vernünftige, durchdachte, solide Position vertreten und plötzlich in eine Ecke kommen, wo dann andere sagen, also da, wo derjenige ist, da will ich lieber nicht sein.

00:44:16: Und das verhärtet sich auch immer mehr.

00:44:19: Ich glaube, es gibt so einen Unterschied zwischen ... Ich kann dir ja sagen, das, was du sagst, finde ich nicht gut.

00:44:27: Wir können miteinander diskutieren darüber.

00:44:30: Und es gibt, und ich glaube so, wie du geschult bist und wie ich geschult bin, dann können wir das jetzt hier voransteigen.

00:44:36: Und wir können rausgehen und können danach sagen, war doch ein nettes Gespräch.

00:44:40: Weil wir das vielleicht auch kennen.

00:44:42: Und ich glaube, was die Menschen, also ich darf, weil wir leben in der Demokratie, ich darf meine Meinung sagen.

00:44:50: Und natürlich darf ich sagen, das finde ich doof oder das finde ich gut.

00:44:54: Und natürlich gibt es dann Leute, die sagen, das finde ich nicht gut.

00:44:57: Ich glaube, es geht auch manchmal um so eine Art immer recht bekommen wollen.

00:45:02: Also man darf heute nichts mehr sagen, ja, du darfst alles sagen, Ich darf aber auch alles sagen.

00:45:08: Und du darfst aber jetzt nicht sagen, dann darf ich ja gar nix mehr sagen, weil du sagst, dass ich doof bin.

00:45:13: Doch, ich kann sagen, ich find da doof, was du gesagt

00:45:16: hast.

00:45:16: Das find ich auch nicht schlimm.

00:45:17: Also ich kann ertragen, wenn mir Leute schreiben, ich find das ganz schrecklich, was sie sagen und so.

00:45:22: Das ist ja überhaupt kein Problem.

00:45:23: Ein Problem fängt da an, wo Menschen Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn sie ihre Meinung sagen.

00:45:29: Auf jeden Fall.

00:45:30: Das gibt es in vielen Bereichen inzwischen.

00:45:32: Also es gibt in vielen Bereichen tatsächlich einen Druck.

00:45:35: dass man, wenn man seine Meinung sagt, kann auch in einer Diktatur seine Meinung sagen, dann wird man im schlimmsten Fall verhaftet.

00:45:43: Das ist heute noch nicht so, aber es kann dann eben einem passieren, dass man berufliche Nachteile hat, beruflich ausgegrenzt wird, dass man unter Druck gerät.

00:45:53: Das ist ja immer wahrscheinlicher.

00:45:56: Aber das ist ja nicht etwas, was von oben kommt.

00:45:58: Das ist ja das Absurde daran.

00:45:59: Deswegen hänge ich da auch so fest, sondern das ist ja etwas, was aus den Menschen herauskommt.

00:46:05: Es sagt ja nicht, Friedrich Merz steht ja nirgendwo oder Julia Klöckner und sagt, das dürfte jetzt nicht mehr sagen sonst.

00:46:12: Na ja, man hat schon auch Gesetze geschaffen.

00:46:14: Also zum Beispiel dieser Beleidigungsparagraf, das sind ja auch Politiker, die einfach Menschen anzeigen.

00:46:19: und für absolute Dinge, also wenn er, also zum Beispiel muss ein Politiker damit leben, dass ein Bürger sagt, das ist ein Schwachkopf.

00:46:26: Muss man nicht teilen.

00:46:28: Es

00:46:28: passiert bei Robert Habeck.

00:46:29: So,

00:46:30: und bei Robert Habeck.

00:46:31: zeigt den Betreffenden dann anderen.

00:46:33: War das

00:46:33: wirklich Robert Habeck, der den angezeigt hat?

00:46:35: Ja, ich glaube, die Beleidigungsanzeigen müssen immer von den Politiker ausgehen.

00:46:40: Der Robert Habeck hat gesagt, ich werde als Schwachkopf bezeichnet und den zeige ich jetzt an.

00:46:47: Ja, das sind ja diese Beleidigungsanzeigen.

00:46:49: Und das hat

00:46:49: nur Robert Habeck selber gemacht?

00:46:51: Ja, wenn es ein Büroleiter war, aber er muss das abgesegnet haben, weil das muss man selber machen.

00:46:57: Also das kann nicht jemand anders für einen machen.

00:46:59: Und das sind ja hunderte.

00:47:02: Also gerade grüne Politiker sind ja da zu großer Form aufgelaufen.

00:47:06: Wirklich hunderte Bürger, die im Netz irgendwas gepostet haben.

00:47:11: und ja nicht alles, was im Netz gepostet wird, ist irgendwie charmant.

00:47:14: Also ich erlebe das ja auch, was da so über mich gepostet wird.

00:47:18: Aber ich finde, man sollte es darauf beschränken.

00:47:20: Also ich würde da die Grenze setzen, wo beispielsweise einem Politiker ohne Satire, sondern so, dass man denkt, es ist echt, Dinge in den Mund gelegt werden, die er nicht gesagt hat.

00:47:31: Da, finde ich, ist tatsächlich ein Spektrum überschritten, was ich als zulässige Debatte ansehe, weil da wird ja dann verfälscht.

00:47:39: Also, dagegen würde ich sagen, sollte es Regeln geben.

00:47:42: Aber ansonsten, wenn Bürger auch ihre Wut äußern und sagen, dieser Politiker ist eben ein Idiot oder so, mein Gott, das muss doch möglich sein, dass man das sagt, ohne dass man dann eine Anzeige bekommt.

00:47:55: Und es wird immer stärker, oder wir hatten ja jetzt diesen Fall, wo ein Post, der erkennbar, satirisch war, dann wirklich also irgendwie als Rechtsextrem ... Also er ging es ja darum, Vogue, also Vogue ist sozusagen die Übersetzung von Deutschland Erwache.

00:48:15: Das hat ja einen Journalist gemacht.

00:48:17: Das war aber eindeutig sozusagen satirisch gemeint.

00:48:21: Und daraufhin wurde eine Strafanzeige wegen rechtsextremen Postings ausgelöst und hat wohl zu einer Hausdurchsuchung sogar geführt.

00:48:30: Also das sind Dinge, wo ich sage, das darf es in einem liberalen System nicht geben.

00:48:35: Und es darf auch meines Erachtens nicht auf Beamte, auf Lehrer, der Druck ausgeübt werden, dass sie Angst haben, wenn sie irgendwo auffällig werden.

00:48:45: Und das ist ja immer stärker jetzt auch, dass es dann eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz gibt, dass tatsächlich ja alles, was wir irgendwo im Netz äußern, ja auch immer stärker ausgewertet wird, dass solche Saaten auch genutzt werden.

00:48:58: Und dass man auf einmal als Radikaler, als Extremist oder als irgendwas gilt und man weiß gar nicht, wie man dazu kommt.

00:49:04: Und

00:49:04: warum sagst du dann nicht, oh Mensch, weißt du was?

00:49:08: Das ist ja alles nochmal die Frage.

00:49:11: Ja, das wird ja nicht besser werden.

00:49:14: Ja, das wird ja jetzt nicht die nächsten Jahre.

00:49:16: Warum sagst du nicht, Mensch?

00:49:18: Ich guck mir das.

00:49:20: von zu Hause aus an und ich lese das alles.

00:49:22: Aber du musst dich ja trotzdem, man merkt das ja auch, du beschäftigst dich total damit.

00:49:25: Und wenn man sich einmal damit beschäftigt, hört es ja nicht mehr auf.

00:49:27: Dann kriegt man ja sowieso die ganze Zeit solche Sachen nochmal zugeschickt.

00:49:30: Da muss man auch aufpassen, dass man nicht die Ecke wird, in die man gestellt wird und so weiter.

00:49:34: Es ist auch wahnsinnig anstrengend.

00:49:36: Ja, aber ich mache mir wirklich Sorgen, wo wir hinten driften.

00:49:40: Also und zwar nicht nur wegen dieser autoritären Tendenzen, sondern auch wirtschaftlich und sozial.

00:49:45: Also das ist ja, wir erleben ja zurzeit auch eine Wirtschaftspolitik.

00:49:50: die zur Folge haben wird, wenn sie sich nicht verändert, dass Deutschland kein führendes Industrieland bleibt.

00:49:56: Also das ist definitiv so.

00:49:58: Wir können nicht mit der Art hohen Energiepreise, mit einem so schlechten Bildungssystem und einer so verlotterten Infrastruktur ein führendes Industrieland bleiben.

00:50:06: Das heißt, unsere Industrie wird abwandern und andere kleinere werden in die Pleite gehen.

00:50:12: Das wird unsere Gesellschaft massiv verändern.

00:50:15: Also das sind ja jetzt schon Einbrüche.

00:50:17: Das ist zum Beispiel auch etwas, was man in den öffentlich-rechtlichen Medien immer so am Rande nur behandelt.

00:50:23: Das ist eigentlich dramatisch.

00:50:24: Also wenn die energieintensiven Industrien inzwischen um zwanzig Prozent geschrumpft sind, wenn aktuell jedes, also ich glaube, vierzig Prozent aller Industrieunternehmen sagen, sie wären in nächster Zeit Menschen entlassen, also Stellenabbauern in Deutschland, dann sind das Größenordnungen, die wir so in der bundesdeutschen Geschichte noch nie hatten.

00:50:42: Aber das haben wir weltweit.

00:50:44: Also wir haben die Entlassungswelle, die wir jetzt gerade in Amerika schon erleben, aufgrund von KI.

00:50:50: Die ist ja genau das Gleiche.

00:50:51: Also das hat ja nicht nur mit einer Politik zu tun, mit einer Wirtschaftspolitik, sondern eben auch mit einer technologischen Veränderung.

00:50:58: Aber in Deutschland liegt es nicht prima an KI.

00:51:01: In Deutschland liegt es daran, dass wir wirklich die Industrie, dass wir den Standort so unattraktiv machen, dass die Unternehmen weggehen und die, die nicht weggehen können, die haben... Kaum noch.

00:51:12: Sie haben wenig Aufträge und sie werden wahrscheinlich zumindest, wenn überhaupt, nur noch auf einem sehr geschrumpften Status weiter produzieren können.

00:51:22: Das ist, sagen wir, in den USA nicht so der Trump.

00:51:25: Klar haben die auch das Problem auf der einen Seite, dass man mit neuen Technologien eben auch Arbeitsplätze überflüssig macht.

00:51:31: Aber Trump ist ja relativ, da ist er ja erfolgreich, aber zu unseren Lasten, Industrie in die USA zurückzuholen.

00:51:40: Also das macht er ja massiv.

00:51:41: Und er erbaut ja zum Beispiel, das sind ja auch Arbeitsplätze, aber eben sehr, sehr umweltschädliche, subventioniert und macht vor allem durch den Druck auf Europa.

00:51:51: Also er zieht die Frackingindustrie, die Ölindustrie, die Gasindustrie hoch, dass sie also in Zukunft einen großen Teil des Weltmarkts mit Öl und Gas beliefern.

00:52:01: Und die Europäer haben sich auch noch verpflichtet, dieses sehr umweltschädliche und sehr, sehr teure Öl und Gas zu kaufen.

00:52:08: was uns schadet, aber dort Arbeitsplätze schafft.

00:52:11: Oder er will ja auch in Größenordnung Autoindustrie, und zwar wirklich auch eine hochtechnologische Autoindustrie, also bisher war die Amerikanische eher schlecht, also sprich unsere Autoindustrie auch in die USA holen.

00:52:22: Er hat durch die ganzen Subventionsprogramme gute Aussichten, auch in anderen Industriebranchen, von Verlagerungen zu profitieren, sodass zwar technologisch auch in den USA ... Klar, Arbeitsplätze abgebaut werden, aber tendenziell der Anteil an industrieller Wertschöpfung wahrscheinlich steigen wird.

00:52:44: Und hier bei uns wird der massiv sinken.

00:52:47: Und das ist ganz gefährlich.

00:52:49: Und ja, wir müssen gerade, wenn es die neuen Technologien gibt, ja alles daran setzen, dass wir wenigstens einen Industriestandort bleiben.

00:52:58: Und dann kann man immer noch schauen, wenn bestimmte Arbeitsplätze durch Automatisierung, Operterisierung, KI wegfallen.

00:53:07: Ja, was kann man dann machen?

00:53:09: Ja, dann sollte man zum Beispiel über Arbeitszeitverkürzung reden und nicht darüber, dass wir alle immer länger arbeiten.

00:53:14: Aber das ist ja eine ganz andere Debatte.

00:53:16: Aber zurzeit haben wir einen Wirtschaftseinbruch, der sich ja schon in den letzten Jahren in sinkender Kaufkraft bei den Menschen wieder niederschlägt und es wird sich verstärken.

00:53:26: Gleichzeitig haben wir eine öffentliche Investitionspolitik, die sich nur auf den militärischen Sektor konzentriert.

00:53:33: Das heißt, das verändert ja auch die Gesellschaft.

00:53:36: Also so eine Militarisierung bedeutet ja, dass ... Man kriegt dann Geld, wenn man irgendetwas macht, was mit Militär zu tun hat.

00:53:45: In Krankenhäusern hat mir letztens auch ein Arzt erzählt.

00:53:48: Die Krankenhäuser müssen alle gucken, dass sie militärisch nutzbare Kapazitäten aufbauen.

00:53:54: Dann kriegen sie Geld, können sie überleben.

00:53:57: Die normalen Patientenversorgung, dafür gibt's kein Geld.

00:54:04: Da wird das Krankenhaus ein Anlos geschlossen, wenn es sich nicht rentiert.

00:54:08: Was läuft gut in Deutschland?

00:54:10: Ich kann sagen, was gut mal lief.

00:54:12: Was läuft gut?

00:54:13: Aktuell.

00:54:16: Viel zu wenig.

00:54:20: Also

00:54:21: klar, da gibt es den Klassiker und das ist auch so.

00:54:23: natürlich läuft immer noch gut, dass wir millionenmotivierte Arbeitnehmer haben.

00:54:27: Wir haben auch immer noch gut ausgebildete Fachkräfte, vielfach eben einfach von der auch aus der Vergangenheit, die auch mit ihren Kenntnissen, mit ihren Qualifikationen arbeiten.

00:54:37: Wir haben auch immer noch tolle Maschinenbauer.

00:54:39: Wir haben einen wirklich guten industriellen Mittelstand.

00:54:42: Aber umso weniger dürfen wir dem die Grundlage entziehen.

00:54:46: Hast du diesen Glücksatlas gelesen?

00:54:48: Dienst gegeben hat, vor zwei Wochen gab's den.

00:54:50: Was denkst du, was die Zufriedenheit der Deutschen gerade, wie Zufrieden die gerade sind?

00:54:59: Könnte mir nicht vorstellen, dass sie riesig zufrieden sind in der Situation.

00:55:02: Wobei Menschen immer dazu neigen, wenn man sie fragt, das ist ja immer dieser Widerspruch.

00:55:05: Wenn man sagt, geht's ihnen persönlich gut, sagen Leute in der Regel, es geht ihnen gut, aber sind sie zufrieden mit der gesellschaftlichen Entwicklung, dann sagen sie, nee, nee, das sind wir normalerweise nicht.

00:55:16: Ich war total überrascht, wie positiv der ausgefallen ist.

00:55:19: Also die Menschen sind gerade sehr zufrieden.

00:55:22: Sie machen sich Sorgen.

00:55:24: Aber sie sind sehr zufrieden.

00:55:26: Ich hab das neudig schon hier gehabt.

00:55:27: Die Angsterzählung in die Zukunft.

00:55:32: Also jeder und jeder, der in den letzten Monaten hier saß, hat eigentlich eine Angsterzählung in die Zukunft.

00:55:39: Und man erlebt die eigentlich überall.

00:55:41: So, es gibt die auf der einen Seite, wo du sagst, das wird schon, und die anderen machen, das ist alles schrecklich.

00:55:46: Und ich frage mich eigentlich, wo ist dann die positive Erzählung dann für die Zukunft?

00:55:52: Ja, die positive Erzählung wäre, dass wir das Potenzial wieder nutzen, was wir haben, dass wir es nicht zerstören.

00:55:58: Also das ist ja da, wir sind ja auch immer noch, klar sind wir immer noch ein wohlhabendes Land.

00:56:02: Also natürlich lebt man in Deutschland besser als zumindest der größte Teil der Bevölkerung, beispielsweise in Indien, um jetzt nicht ein ganz armes Land, sondern ein Schwellenland zu nehmen.

00:56:12: Aber Indien hat... Einem Trend, ein Aufstieg.

00:56:16: In Indien können viele Eltern, zumindest in der Mittelschicht, davon ausgehen, dass ihren Kindern mal besser geht als ihnen.

00:56:22: Das Land geht nach oben, hat aber immer noch eine riesige Armut, Lams, schreckliche Verhältnisse.

00:56:29: So was gibt's in Deutschland?

00:56:30: der Form nicht.

00:56:31: Das ist ganz klar Millionen Menschen, die keine Krankenversicherung gar nichts haben.

00:56:36: Aber es ist im Aufschwung.

00:56:39: Und wir sind nicht mehr im Aufschwung.

00:56:41: Also, wer kann heute noch davon ausgehen, dass es den eigenen Kindern mal besser geht als einem selbst?

00:56:48: Ich weiß aber nicht, ob das an Deutschland liegt.

00:56:51: Also, ich meine, das frage ich mich.

00:56:53: Also, wer nicht dir so zuhörte, denke ich, ja, ich glaube, dieses Gefühl ist ein Gefühl, was auch die ganze Zeit verstärkt wird durch Social Media, auch ein gewisserweise durch Menschen wie dich.

00:57:04: Und da meine ich jetzt nicht dich persönlich, sondern einfach... Menschen, die immer wieder erzählen, wie schlecht das alles werden wird.

00:57:11: Wenn ich jetzt sagen würde, ne, wird alles gut, dann würde man denken, du bist total naiv.

00:57:15: Matze.

00:57:16: Es kann gut werden.

00:57:18: Wenn wir eine andere Politik hätten, wenn wir andere Weichenstellungen hätten, hat Deutschland alle Chancen, dass es den Menschen gut geht.

00:57:27: Wir haben alle Potenziale dafür, aber wir machen sie kaputt.

00:57:30: Die Politik setzt Rahmenbedingungen.

00:57:35: wirklich für viele Menschen bedeuten, dass sie sich sehr einschränken müssen.

00:57:39: Ich meine, wir haben ja nun mal, wir haben die Altersarmut, die sie hat ja anwechselt.

00:57:42: Das ist ja etwas, was wirklich ein echtes Problem ist.

00:57:45: Und das Rentensystem ist so, dass eigentlich die heute jungen, wenn sie nicht wirklich sehr gut verdienen und privat vorsorgen können, ansonsten im Alter schlecht leben werden.

00:57:57: Also, das muss man so hart sagen.

00:57:59: Wir haben eine Durchschnittsrente von twelvehundert Euro.

00:58:02: Und bei den Neuzugängen ist sie noch drunter.

00:58:04: Also das ist wirklich dramatisch schlecht.

00:58:08: Und natürlich ist das eine Angst, die nicht aus Verschwörungserzählungen resultiert, sondern das sind ja ganz harte Fakten.

00:58:14: Oder wir haben die Situation, dass sehr, sehr viele Kinder in Armutaufel wachsen, dass gerade Alleinerziehende eben oft gar nicht arbeiten können, weil immer noch das Gitarproblem nicht gelöst ist.

00:58:24: Wir haben in der Schule, und das ist meines Erachtens wirklich eine der ganz großen Sünden, dass die Schulen in den Ärmer und Wohnvierteln nicht mehr in der Lage sind, den Kindern auch nur Mindeststandards an Wissen beizubringen.

00:58:39: Und damit diese Kinder eigentlich mit einer Ausstattung an Fähigkeiten ins Leben starten, die ihnen keine Chance gibt.

00:58:47: Ich finde, du hast da einen totalen Punkt.

00:58:50: Was ich in der Vorbereitung ... Das ist bei mir manchmal, wenn ich dir zuhöre, es ist nicht ganz, für mich ganz eindeutig.

00:58:57: Das muss ich, weil es gibt ... Wenn du dann, du hast ein Artikel geschrieben, in der Welt war das.

00:59:02: Und dann schreibst du, dass die schlechte Schulbildung faktisch auf Merkels Flüchtlingspolitik zurückzuführen ist.

00:59:09: Nicht nur.

00:59:09: Also hast du so diesen Satz?

00:59:11: Ja, ich habe umgekehrt.

00:59:12: Ich habe gesagt, dass die Migrationspolitik tatsächlich das Schulsystem für die Ärmeren gekrescht hat.

00:59:17: Du hast es direkt mit Merkel in Verbindung.

00:59:19: Ergut

00:59:20: bei Merkel ist ja, die hat ja die Grenzen geöffnet.

00:59:23: Ich

00:59:23: zitiere, Merkels Migrationspolitik hat die schulische Bildung für die Kinder der Ärmeren faktisch zerstört.

00:59:29: Und ich finde, das ist ein total harter Satz.

00:59:32: Und dann denke ich, okay, krass, das hat die, hab ich gemerkt, das zerstört, war auch heftig.

00:59:37: Und dann guckt man sich das an und denkt, ja, gut, also das ist jetzt Bund, Länder, da gibt's schon mal einen Unterschied.

00:59:42: Das hat mit Corona zu tun.

00:59:43: Es sind so viele Sachen, dass die Schulen nicht richtig besetzt sind.

00:59:46: Das ist ein systemisches.

00:59:46: Das hat ja nicht mit nur, mit einer Flüchtlingspolitik zu tun.

00:59:50: Also zu sagen... Nein,

00:59:51: es gibt viele Faktoren, aber die Migration ist tatsächlich einer der schwerwiegendsten.

00:59:56: Aber so ein Satz zu sagen, der... Ein krasser Satz ist einfach.

01:00:01: Und wenn du sagst, fuck, also wenn mir eine sehr kluge Sarah Wagenknecht sagt, merke es, Flüchtlingspolitik hat faktisch das gemacht und es stimmt aber gar nicht.

01:00:12: Doch, stimmt.

01:00:14: Also wie gesagt, ich leugne nicht, dass zum Beispiel auch die Schulschissung der Coronazeit war eine Katastrophe.

01:00:20: Aber

01:00:20: das steht dann nicht darunter.

01:00:22: Weil es da nicht ... an der Stelle hab ich ja nur über Migration gesprochen.

01:00:26: Ich hab ja darüber gesprochen, warum ... Also, wie absurd es ist, dass die Linken oder die, die im gesellschaftlichen Mainstream als Links geframed werden, dass die immer dafür sind, offene Grenzen für alle, obwohl das ja gerade zu Lasten der Ärmeren geht.

01:00:40: Also, das ist der Kontext.

01:00:41: Deswegen hätte es nicht gepasst, da was zu Corona zu sagen oder auch zur Lehrerausbildung und anderem.

01:00:48: Aber

01:00:49: diese Linie zu ziehen, zu merken, Also das fällt mir dann schwer.

01:00:52: In der Merkel hat das angefangen... Also ich meine, ich habe nichts gegen eine kontrollierte und gesteuerte Migration.

01:00:58: Also überhaupt nicht.

01:00:59: Ich meine, mein eigener Vater ist nicht auch Deutschland, sondern... Sag

01:01:03: da will ich nicht darauf hinaus.

01:01:04: Ich möchte einfach darauf hinaus.

01:01:06: dieses... Also was Menschen publizieren.

01:01:10: Also was jemand wie du sagst oder auch wie andere sagen, wenn andere sagen, wir müssen wieder kriegstüchtig werden und das ist der letzte Sommer in Frieden und so weiter.

01:01:17: Das sind ja so Sätze, die so... Hä?

01:01:20: machen bei mir.

01:01:21: Und die sorgen dafür, dass mein Vertrauen in Menschen wie dich und andere Politiker-Politiker so ein bisschen so, was wird mir da eigentlich erzählt?

01:01:30: Stimmt das eigentlich, was mir da erzählt wird?

01:01:33: Wenn so was gesagt wird, was aber nicht stimmt und was verkürzt ist, was verkürzt genommen werden kann, dann weiß ich gar nicht mehr, was ist jetzt mit dem Rest, was du sagst, was andere sagen?

01:01:43: Und das ist doch das große Problem, was wir gerade auch haben, dass mir Menschen, immer mehr Menschen, nicht mehr in etwas Glauben können.

01:01:51: Dass sie einen Glauben verlieren oder Vertrauen verlieren,

01:01:53: oder?

01:01:54: Ja, es ist doch in dem Falle zutreffend.

01:01:57: Und zwar in den Schulen der Ärmeren, selbst wenn es keine Corona-Zeit gegeben hätte, ist es ein Grundproblem, dass es immer mehr Klassen gibt, wo bei der Einschulung weit über die Hälfte manchmal achtzig Prozent der Kinder kein Wort Deutsch sprechen.

01:02:12: Das haben mir so viele Lehrer.

01:02:13: Aber das

01:02:13: ist ja nicht angenehm.

01:02:14: Merk, es schuld.

01:02:15: Na ja doch, das hat ja was damit zu tun, dass es sehr hohe Zahlen an Flüchtlingen gab.

01:02:20: Es hat natürlich auch etwas mit fehlender Integration zu tun, auch schon bei denen, die hier waren.

01:02:25: Also, manche Kinder sind ja Deutschland geboren und können trotzdem nicht Deutsch, wenn sie eingeschult werden.

01:02:30: Das ist natürlich ein zusätzliches Problem.

01:02:32: Aber es sind eben auch sehr, sehr, sehr, sehr viele gekommen, wo wir nicht vorbereitet waren.

01:02:37: Wir hatten nicht die Lehrer, wir hatten nicht das Potenzial diesen Kindern.

01:02:41: Und wir haben uns auch nicht drum gekümmert.

01:02:43: Und das ist das, was ich auch merke.

01:02:45: Also wenn ich tatsächlich sage, ich nehme so viele Menschen auf, mal dahingestellt, ob das überhaupt funktioniert.

01:02:52: Aber dann muss ich ja alles tun, dass ich wenigstens Integration realisiere.

01:02:56: Also dann müsse ich hätte ein Atokprogramm mit erheblichen öffentlichen Mitteln für Sprachausbildung dieser Kinder, für mehr Lehrer, für mehr Sozialarbeiter, für Betreuung, alles.

01:03:09: Nichts hat man gemacht.

01:03:10: Also man nimmt die Menschen auf, die ballen sich in den Wohngebieten, wo sowieso die Armen leben und da hat man die Probleme, Parallelgesellschaften entstehen, die Schulen sind gnadenlos überfordert.

01:03:21: Die Lehrer haben oft auch gerade Lehrerinnen das Problem, dass sie mit den Eltern nicht kommunizieren können, weil die mit einer Frau nicht kommunizieren.

01:03:28: Das sind ja alles Probleme, die es gibt.

01:03:31: Und wenn man die alle wegleugnet, damit man eben nicht über Migration kritisch redet, dann überlässt man der AfD das anzusprechen, was viele sehen, die es aber dann auf ihre Art macht.

01:03:43: Ich

01:03:43: finde es total wichtig, dass man da offen darüber redet.

01:03:47: dass wir darüber reden, dass andere darüber reden und dass man da auch sagt, okay, vielleicht ist das erst mal eins, damit wir alle frei reden können, ohne Mikros, wie auch immer, aber klar, lass uns unbedingt darüber reden.

01:03:55: Und nicht zu sagen, nur weil du sagst, man sollte Migrationen sich genauer angucken, bist du nicht gleich rechts oder rechtsextremen, sondern das ist ein Thema.

01:04:06: Und es ist doch ein richtiges Problem.

01:04:07: Es ist ein wirklich ernstes Problem, dass allerdings nur die erleben, deren Kinder eben in die Schulen bestimmter Wohngebiete gehen.

01:04:15: Weil da wo zum Beispiel ... Hochpreise gemieten sind, wo eigentlich sozusagen die obere Mittelschicht unter sich ist oder gar noch in irgendwelchen Wilden vierteln.

01:04:25: Ja, da ist das Problem nicht.

01:04:27: Aber in den ärmeren Wohngebieten, da konzentriert sich das und da haben die Schulen inzwischen eigentlich keine Chance mehr.

01:04:34: Und das ist ja auch belegt.

01:04:37: Also ich meine, dieser Absturz, den wir haben in den Fähigkeiten, der ist ja messbar, also der ist ja belegt.

01:04:44: und auch eine deutlichere Aufspreizung.

01:04:47: Wir haben ja nicht ein generelles Absinken des Bildungsniveaus, sondern wir haben bei einem Teil der Kinder, der Anteil wächst, die wirklich gar keine Minimalfähigkeiten und Minimalkenntnisse mehr haben.

01:04:58: Wir haben aber durchaus natürlich immer noch ein Teil.

01:05:02: Der Kinder, die eine sehr gute Bildung bekommen, aber das sind eben in der Regel die, die in den privilegierten Wohngebieten wohnen.

01:05:10: Da muss man noch nicht mal in einer Privatschule sein, aber wenigstens dann in einem Wohnumfeld, wo all diese Probleme nicht stattfinden.

01:05:18: Gab es eine Zeit, wo du in diesem Land gern gelebt hast?

01:05:21: Und wo du gesagt hast, ich fühle mich wohl hier, ich vertraue der Politik, ich vertraue den Medien, ich vertraue der Wissenschaft.

01:05:29: Ja, was heißt gern gelebt?

01:05:32: Ich lebe ja in Deutschland, weil das meine Heimat ist.

01:05:36: Also um diesen wirklich auch klassischen Begriff zu benutzen.

01:05:40: Also ich könnte ja auch jetzt sagen, ich wandere aus und lebe irgendwo anders.

01:05:44: Nein, also ich meine, ich bin ja Deutsche und deswegen lebe ich hier.

01:05:47: Aber gab

01:05:47: es eine Zeit, also wenn man sich, manche Menschen sehen sich ja nach einer Zeit zurück.

01:05:53: Manche sagen, früher war das und das besser.

01:05:56: Und also es gibt ja verschiedene ... Parameter, woran man sich orientiert und woran orientierst du dich, wenn du, du findest, also wir reden jetzt seit einer Stunde und du findest eigentlich kaum ein gutes Wort an irgendetwas.

01:06:11: Nein, also... Und es ist okay, das ist dein Recht.

01:06:13: Also du kannst das... Nee,

01:06:15: so hab ich es aber nicht.

01:06:16: Also erstens, ich mein, ich hab Dank der Wende studieren können.

01:06:20: Muss ich einfach mal so sagen, ich durfte in der DDR nicht studieren, weil ich war in einer Scheiß-Situation im.

01:06:28: Ich saß zu Hause und wusste nicht, wie es mit meinem Leben weitergeht.

01:06:32: Ich war damals zwanzig und das war eine sehr, sehr unschöne Situation, aus der mich die Wände gerettet hat.

01:06:40: Also muss ich so sagen, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, wenn das nicht gewesen wäre.

01:06:45: Ich danke diesem Deutschland auch etwas, oder zumindest den Entwicklungen, also es waren ja die DDR-Bürger, die das auch mit erzwungen haben, also wem auch immer man da danken muss, aber zumindest habe ich dadurch, dass es die Wände gehabt, dass es die Wiedervereinigung gehabt, überhaupt erst die Chance gehabt, den Studien anzufangen.

01:07:03: Ich wäre mit Sicherheit in der DDR auch nicht in die Politik gegangen, also ich habe überhaupt ein Lebensweg gehabt.

01:07:08: Und das ist ja etwas... wo ich sehr froh darüber bin, dass mir diese Chance auch gegeben wurde.

01:07:14: Und gerade deshalb, also ich will auch nicht sagen, dass wir heute wieder da sind, wo die DDR war, was Repression angeht.

01:07:21: Also das ist schon ein Unterschied noch.

01:07:25: Ja, aber ich will eben auch nicht, dass wir da noch mal hinkommen.

01:07:28: Und ich glaube, dass im Osten die Leute auch ein bisschen sensibler wahrscheinlich auf alles reagieren, was sie als Gängelung und Bevormundung ... autoritäre Einflussnahme wahrnehmen, weil sie das, zumindest die älteren, in der DDR schon mal erlebt haben.

01:07:46: Also ich denke, dass sie da einfach sensibler sind und das ist gut so.

01:07:51: Also ich denke schon, dass es wichtig ist, immer zu warnen, wenn Fehlentwicklungen sind und nicht zu warten, bis das Kind im Runden liegt, weil es dann wahrscheinlich auch zu spät ist.

01:08:02: Also vieles, was ich Ansprecher an Kritik verstehe, ich auch in diesem Sinne, ich will verhindern, dass sich Prozesse fortsetzen, die gefährlich sind, die auch unser Land sehr stark verändern.

01:08:14: Und ich will das ansprechen, weil ich es ja auch für vermeidbar halte.

01:08:19: Wenn ich jetzt fatalist wäre und sagen würde, das geht sowieso alles den Bach runter, dann hätte ich auch nicht eine Partei gegründet.

01:08:24: Weil das, was ich vorhin gesagt habe, dass man in der Politik Einfluss nehmen kann, hat ja nur Sinn, wenn man daran glaubt, dass es auch besser geht.

01:08:31: Aber du hast nicht den Referenzpunkt, sondern es ist ein Glauben in eine Zukunft, in eine Utopie.

01:08:39: Es wird besser.

01:08:40: In einer

01:08:40: Utopie, also es war ja auch ... Also ich würde schon sagen, die alte Bundesrepublik war in bestimmten Dingen, hatte sie bessere Regelung als heute.

01:08:49: Die

01:08:49: alte Bundesrepublik vor der Wende?

01:08:51: Teilweise auch noch nach der Wende.

01:08:53: Also zum Beispiel das Rentensystem.

01:08:56: Also ich meine, guter, sogar ein Teil der Ostrente hat davon profitiert, dass es zunächst mal, es gab immer Altersarmut, also man darf das auch nicht idealisieren, aber es war auf jeden Fall ein wesentlich kleinerer Teil.

01:09:07: der älteren Menschen, die betroffen waren.

01:09:10: Sondern es gab viele, die dann wirklich ihren Ruhestand auch genießen konnten.

01:09:13: Und dafür musste man kein Beamter sein, sondern man hatte auch mal die Chance von einer normalen Rente einigermaßen zu leben.

01:09:22: Es gab in Deutschland mal ein brillantes Bildungssystem, auch die duale Ausbildung.

01:09:26: Also da haben uns ja Länder darum beneidet.

01:09:30: Oder dass wir überhaupt noch so viel Industrie haben, ist ja außergewöhnlich im Vergleich zum Beispiel zu anderen europäischen Ländern auch im Vergleich zur USA.

01:09:39: Also die Deindustrialisierung ist ja woanders.

01:09:41: schneller gegangen.

01:09:43: Die haben ja viel stärker auf Finanzmärkte gesetzt und haben viel stärker zugelassen, dass Industrieregionen veröden.

01:09:50: Also in Frankreich war das so, in Großbritannien, auch in den USA ist ja dieser berühmte Rust Belt.

01:09:56: Das sind ja dann diese grässlichen Zustände.

01:09:58: Wir haben das ein bisschen im Osten, nicht nur ein bisschen, also im Osten haben wir es gehabt, aber da ist dann auch wieder in Ansiedlung möglich geworden, aber wir haben im Land mehr Industrie gehalten als andere.

01:10:10: die Grundlage unseres Wohlstands, also unseres sage ich mal schon, eines sehr breiten Wohlstands.

01:10:15: Also nicht nur einer städtischen urbanen akademischen Mittelschicht, sondern wirklich auch normale Leute, die noch nicht mal akademische Ausbildung haben und trotzdem gut bezahlte Arbeitsplätze.

01:10:25: Und jetzt geht das tendenziell kaputt, wenn man nicht gegensteuert.

01:10:29: Und das ist das, was ich anspreche.

01:10:31: Davor warne ich und ich will es verhindern, dass es kaputt geht.

01:10:34: Okay.

01:10:35: Also, wir sind ja noch nicht da unten, aber wir ...

01:10:38: Wir müssen ja auch sagen, wir leben hier in diesem Land, wir sitzen uns gegenüber, du kannst sagen, was du willst.

01:10:45: Da wird nichts passieren, außer dass du ... Es gibt bestimmte Sachen, die du sagst, da wird der Verfassungsschutz kommen, aber sonst kannst du dir alles reden.

01:10:52: Wir können danach irgendwo in Essen gehen, wenn du das willst oder was auch immer.

01:10:56: Gut, ich bin ja auch als Politiker in dem Sinne privilegiert.

01:11:01: Ich hab keinen Job, den ich verlieren kann.

01:11:03: Also, mich kann keiner rausschmeißen.

01:11:06: Ich kann mich nicht gewählt werden oder so, aber ich bin nicht jemand, der Angst haben muss, ob der Arbeitgeber oder auch die öffentliche Hand mein Arbeitsverhältnis, also meinen interessierten Vertrag nicht verlängert.

01:11:16: Also, ich bin ja da eine andere Situation, aber es gibt immer mehr Menschen in Deutschland, auch in sozialer Hinsicht, die in ausgesprochen beengten Verhältnissen leben.

01:11:25: Also die, die eben nicht mal eben essen gehen können oder nicht in Urlaub fahren oder noch nicht mal mehr richtig haben.

01:11:33: Das ist ja nun wirklich mehr, als es noch vor zwanzig Jahren der Fall war.

01:11:38: Ich finde das faszinierend, weil ich wirklich nicht weiß, wie du da hingekommen bist.

01:11:41: Also du, ich habe schon gesagt, das sind so viele negative Sachen, die du siehst.

01:11:46: Ich bin ein wenig, also ich bin ein sehr positiver Mensch und ich bin ein wenig überwältigt von der Negativität.

01:11:55: Muss ich ehrlich zugeben, die Macht, also ich kann damit

01:11:57: nicht so gut umgehen.

01:11:58: Aber was meinst du damit?

01:11:59: Ich wüsste nicht, dass hier jemand so ein Mensch saß, der so viel Negatives gesehen hat, um sich herum.

01:12:05: Weil das Menschen in Deutschland nicht mehr richtig heizen können, dass sie nicht in Urlaub fahren können, dass

01:12:10: sie

01:12:10: sich einschränken müssen.

01:12:11: Das sind doch Realitäten.

01:12:12: Das sind Realitäten.

01:12:15: Also das ist ein...

01:12:17: Und zwar nicht irgendwie Faulpälze, die keine Lust haben zum Arbeiten, sondern Menschen, die schuldlos in so eine Situation kommen.

01:12:23: Die gibt's ja immer mehr.

01:12:24: Die gibt's

01:12:25: immer mehr, nur bin ich jetzt gerade... Also ich merke das so, wenn ich denke so, ich verstehe das, wenn jemand... Also ich glaube, es ist gar nicht, dass du Dinge negativ siehst, weil ich frage mich einfach die ganze Zeit, gibt es irgendwas, was du positiv siehst?

01:12:41: Und du kommst eigentlich so von einem zum nächsten und alles ist negativ.

01:12:46: Und das ist, also das zumindest meiner Wahrnehmung gerade.

01:12:49: Deswegen bin ich so, ich versuch, ich weiß gar nicht, wie ich es halten soll, weil ich nicht weiß.

01:12:54: Also positiv ist, dass sich Menschen auch dagegen engagieren, dass es viele Menschen gibt, die ja auch noch mit ihren Möglichkeiten anderen helfen.

01:13:07: Aber also trotzdem gibt es doch einen Trend, der in Deutschland gerade nicht gut ist.

01:13:12: Genau, und das hast du jetzt auf jeden Fall gesagt.

01:13:18: Ja, aber ich finde viel wichtiger darüber zu reden, wie man diesen Trend verändert.

01:13:22: Das ist doch der Schlüssel.

01:13:25: Aber nach Deiner Erzählung ist der Schlüssel, dass Du im Bundestag kommst?

01:13:28: Nö, so platt ist es nicht.

01:13:30: Also erstens hätten wir da auch nicht die Mehrheit, sondern würden dann zwar eine Gegenstimme aufmachen, aber die würde ja alleine noch nicht reichen eigentlich.

01:13:39: Der Schlüssel ist, dass auch in anderen Parteien, bei den Parteien, die das mit angerichtet haben, irgendwie die Erkenntnis reift, dass das kein sinnvoller Weg ist.

01:13:48: Und das wird nicht passieren.

01:13:50: Weiß ich nicht.

01:13:51: Naja, also letztendlich... Warum?

01:13:52: Ich glaube... Ich

01:13:53: meine, die CDU, die SPD, standen auch mal für eine andere Politik.

01:13:56: Ich meine, die standen ja nicht immer für diesen Wahnsinn, den sie heute machen.

01:13:59: Aber da gehen wir davon aus, dass... Also, wir können ja... Also, ich sag jetzt, das wird nicht passieren.

01:14:05: Und genauso könnte ich sagen, und das wird passieren.

01:14:07: Also, letzten Endes ist das... Aber

01:14:09: es hängt doch von den gesellschaftlichen Debatten und Kräfteverhältnissen ab.

01:14:12: Wie gesagt, auch SPD und CDU standen mal für eine andere Politik, als sie sie heute machen.

01:14:18: Und natürlich kann sich das... Und standest

01:14:19: du immer für die gleiche Politik, die du heute machst?

01:14:22: Nein.

01:14:22: Also, nicht jetzt, sagen wir mal, eindimensional, weil individuell entwickelt man sich.

01:14:27: Also, ich hatte als zwanzigjähriger in vielen Fragen andere Positionen.

01:14:32: Ja, aber das ist doch... Das hat doch Friedrich Merz und Olaf Scholz und Lars Klingbeier auch.

01:14:36: Also alle haben ...

01:14:36: Na ja, die Frage ist ja, ist das, wofür Sie heute stehen für unser Land gut oder ist es schlecht?

01:14:43: Und ich würde sagen, dass das, was Sie zur Zeit entscheiden, unser Land nicht besser macht, sondern die Lebensverhältnisse von Menschen verschlechtert.

01:14:52: Ist es aber nicht vielleicht auch so, dass wir Menschen manchmal gar nicht so gut darin sind, danach zu entscheiden, was eigentlich gut für uns wäre?

01:14:59: Also, wenn es danach geht ... Also wenn das so wäre, dann würden wir alle auf unsere acht Stunden kommen, dann würden wir Bücher lesen, dann würden wir viel Zeit mit unseren Liebsten verbringen und stattdessen, also auch selbst diejenigen, denen es die privilegiert sind, so wie du und ich.

01:15:13: Wir machen ja auch Dinge, die, wir fliegen vielleicht mal irgendwo hin in den Urlaub, das tut der Umwelt auch nicht unbedingt gut.

01:15:22: Wir machen Dinge, die nicht gut für uns sind, für unsere Gesundheit sind, für unser Liebsten sind.

01:15:27: Das ist ja scheinbar auch, also... Ich weiß, dass du dich mit Faust beschäftigt hast.

01:15:32: Und der Mensch ist ja zu beidenfähig, zum Großartigsten und zum Negativsten.

01:15:36: Ja, das ist ja immer dieser Widerspruch.

01:15:39: Und vielleicht müssen wir uns damit abfinden, dass es so ist.

01:15:45: Aber ich denke, es ist noch was anderes, ob man selbst Dinge tut, die vielleicht für einen selber, auch für den nächsten Umkreis, nicht positiv sind.

01:15:54: Oder vielleicht auch glaubt, dass es richtig ist und es ist nicht richtig.

01:15:58: Aber eine andere Dimension hat es ja, wenn ich Macht habe und Entscheidungen treffe, die ja nicht für mich selber negativ sind, sondern für andere Menschen.

01:16:07: Also da muss ich ja doch irgendwo ein anderes Antwortungsgefühl haben.

01:16:11: Aber das ist

01:16:11: ja nicht so, dass jemand, also ich glaube, also denkst du, dass Friedrich Merz Last Klickenball, dass die da sitzen und sagen, wir mit unserer Macht, Wir machen jetzt etwas, was den Menschen in Deutschland schaden wird.

01:16:29: Was ich Ihnen vorwärfe, ist, dass Sie nicht das Rückkart haben, Entscheidungen zu treffen, die Sie gegen Widerstände treffen müssten, die das Leben der Menschen verbessern könnten.

01:16:42: Aber

01:16:42: Sie denken doch auch, Sie tun das Richtige.

01:16:44: Also du und ich, wir beide denken, wir machen das Richtige.

01:16:47: Du bist überzeugt von deinem Weg, ich bin überzeugt von meinem Weg.

01:16:50: Aber so wie du sagst ... Kann man das Gefühl bekommen, oder so ist meine Wahrnehmung gerade, dass es da etwas gibt, was ...

01:16:58: Ich glaube, dass sie gar keinen Plan haben.

01:17:00: Und das ist ja fast noch schlimmer.

01:17:02: Also, wenn man sich von einerseits Lobbyisten steuern lässt, sich an Machtverhältnisse anpasst, nur durchlaviert ...

01:17:12: Ich bin kein Lars Klingbeil und Friedrich Merz-Ulfacher.

01:17:14: Nein,

01:17:15: ich meinte nicht dich jetzt.

01:17:16: Ich meinte jetzt Friedrich Merz und Lars Klingbeil.

01:17:20: Aber das ist letztendlich auch du in deiner Partei und ich will keine Beispiele nennen aus irgendwelchen Landtagen und Bund und Länderstreitereien und so weiter, die ihr auch hattet.

01:17:29: Es ist doch einfach so, dass es wahnsinnig kompliziert ist.

01:17:32: Und das heißt nicht, dass ich sage, ja, dann ist es kompliziert, dann könnt ihr alles machen.

01:17:35: Aber ich glaube eben, weil es so kompliziert ist, kann man nicht einfach sagen, ja, die haben keinen Plan.

01:17:41: Also das ist auch vermessen zu sagen, dass jemand, der so lange

01:17:44: ... Hast du das Gefühl, dass die einen Plan haben?

01:17:48: Ich würde sagen, Ich für meinen Teil denke gerade, lasst die jetzt mal machen und hört mal auf die ganze Zeit.

01:17:56: Das ist jetzt unsere Wahl gewesen und ich finde, wenn das nochmal ausgezählt wird, dann wird es nochmal ausgezählt und da wird nochmal darüber gesprochen und da wird sich was auch immer dann passiert.

01:18:05: Aber dieses permanente immer wieder kritisieren jeden einzelnen Punkt.

01:18:12: Also wenn mich, also wenn mich jemand so die ganze Zeit kritisieren würde.

01:18:19: wie die kritisiert werden, egal wohin die gehen.

01:18:22: Und dann gibt es die Umfragewerte, die eigenen Partei, die streiten rein, um die dies und die das nicht.

01:18:26: Ich habe das jetzt gesagt, ihr wurdet gewählt, jetzt macht.

01:18:31: Aber sie machen ja jetzt schon eine Weile und das wird nicht besser.

01:18:34: Ja, aber wie schnell soll es besser werden?

01:18:36: Zumindest gibt es bisher keine Entscheidung, von der man jetzt davon ausgehen kann, dass sie irgendwas besser macht.

01:18:42: Also, dass sie Energiepreise senkt, dass sie, also zum Beispiel bei der Infrastruktur, da hatte man ja noch das Gefühl, sie haben ja dann dieses sogenannte Sondervermögen.

01:18:51: Jetzt gibt's endlich mal Investitionen in die Infrastruktur, also Straßenbrücken, Schienen.

01:18:56: Das ist ja alles in Deutschland wirklich im Argen.

01:18:58: Also, das ist ja unstrittig.

01:19:01: Und dann hat man den Eindruck gehabt, okay, also ... Und es ist auch klar, das geht nicht aus dem laufenden Haushalt.

01:19:06: Also so weit für Investitionen ist es sinnvoll, auch Kredite aufzunehmen.

01:19:10: So was passiert, hat der Rechnungshof dargestellt.

01:19:13: Sie schieben Posten aus dem regulären Haushalt in das Sondervermögen, um sich Platz zu schaffen.

01:19:19: aber nicht um zusätzlich zu investieren.

01:19:22: Das heißt, dass die Hoffnung, dass jetzt endlich unsere Infrastruktur auf Vordermann gebracht wird, ist eigentlich schon wieder zerschlagen.

01:19:29: Das Einzige, wo sie richtig immens Geld verpulvern, ist eben die Aufrüstung und die Militarisierung.

01:19:35: Und ehrlich gesagt, wenn ich mir das anschaue, kann ich doch nicht sagen, dann lass mal machen, sondern das ist doch der falsche Weg.

01:19:41: Nein,

01:19:41: also deine Aufgabe ist, ich empfinde dich als... Oppositionelle Kriegerin.

01:19:48: Und du solltest das auf jeden Fall machen.

01:19:50: Ich bin nur selber für mich, für meinen Kuschelhotel hier.

01:19:53: Ich bin einfach nur so, wow, ich weiß gar nicht, wohin mit dieser ganzen, das ist alles Scheiße, das ist alles Scheiße.

01:19:57: Das ist einfach jetzt mein persönliches Ding, dass du da dagegen sein sollst.

01:20:02: Und dafür gibt es ja Menschen wie dich.

01:20:03: So, auch wenn du das, du hast dich ja heute auch dazu entschieden oder die letzten Tage zu sagen, so, nee, ich gehe den Typen so richtig auf den Zeiger.

01:20:12: Und das ist in Ordnung.

01:20:13: Also das ist ja... Ich für meinen Teil denke nur so, es wird in drei Jahren wieder gewählt.

01:20:21: Und dann gucken wir weiter.

01:20:22: So, das denke ich für mich.

01:20:25: Und wenn ich die Möglichkeit habe, mit jemandem von denen hier zu sprechen, dann spreche ich mit denen, stelle meine Fragen.

01:20:29: Ja klar, das ist ja auch dein Job, ist ja auch völlig richtig.

01:20:32: Genau, und dein Job ist der andere.

01:20:34: Und das ist auch okay.

01:20:35: Und deswegen ist es ein Hin und Her, aber ich glaube, ich stelle mir es wahnsinnig anstrengend vor, dass es so ... Ich habe mir auch alte Interviews von dir durchgelesen und eigentlich so dieses gegen etwas sein immer und immer wieder.

01:20:53: Ich habe mich gefragt, woher kommt das?

01:20:55: und vielleicht nutzen wir noch ein bisschen der Zeit, die wir haben, dass du mir das ein bisschen erklärst, woher dieses gegen kommt bei dir.

01:21:04: Also wenn wir so zurückgehen, du bist, jetzt muss ich es ablesen, neunundsechzig geboren.

01:21:10: Und ich glaube, ganz viel von dem, wie man heute ist, hat damit zu tun, wie man als Kind geprägt worden ist.

01:21:15: Diese Opposition, Sarah Wagenknecht, gibt es da etwas, was du in deiner Kindheit siehst, wo du sagst, ich glaube, da kommt das her, dass ich einfach jemand bin, der sagt, nee.

01:21:26: Ich bin nicht aus Überzeugung Opposition.

01:21:29: Also ich wäre gerne in einer Gesellschaft, wo ich wirklich sagen würde, toll, läuft super.

01:21:35: Dann wäre ich wahrscheinlich auch wirklich jetzt aus der Politik raus, weil wenn ich das Gefühl hätte, läuft schon, dann würde ich Bücher schreiben über irgendwelche interessanten Intellektuellen.

01:21:44: Glaubst du ganz, dass das passieren könnte?

01:21:46: Also gibt es ein Land, ein System irgendwo, wo du sagst, die machen es, also das?

01:21:52: Es gibt in verschiedenen Ländern Dinge, die besser laufen als hier, ja.

01:21:56: Ja,

01:21:56: das gibt es ja immer.

01:21:57: Es gibt ja auch immer Leute, die sind hübsch als einer und der andere

01:21:59: Schauer.

01:21:59: Ja, gut, aber dann sollte man gucken.

01:22:01: Also Skandinavien ist das Bildungssystem besser.

01:22:04: In Österreich ist der Wohnungsbau besser.

01:22:07: Die bauen viele gemeinnützige Wohnungen.

01:22:10: Dafür

01:22:10: hast du da eine höhere Korruption.

01:22:12: Ja, ich mein, aber man muss ja nicht sagen, ich brauche dieses Land, sondern wir sollten doch schauen, wo sind Dinge, wo gibt es Beispiele dafür, wie man es besser machen kann.

01:22:20: Da könnte ich jetzt sagen, okay, Skandinavien können wir aus der Bildung was lernen.

01:22:25: eben den Mietsektor und den Wohnungssektor nicht irgendwie den Immobilienheim überlässt.

01:22:31: Spanien hat beispielsweise der spanische Ministerpräsident hat gesagt, hier fünf Prozent Aufrüstungsziel machen wir nicht mit, weil das würde unseren Sozialstaat creschen und damit wurde Spanien von dieser Regelung ausgenommen.

01:22:44: Also auch da ist halt jemand, der Statur hat.

01:22:49: Und es ist doch nicht so viel verlangt, wenn ich sage, ich wünschte mir einen Bundeskanzler, der diese Statue auch hat.

01:22:55: Und wenn ich jetzt das Gefühl hatte, okay, in den wichtigsten Fragen läuft, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr Politik.

01:23:02: Aber das ist

01:23:03: doch wie mit den Wohnungsaufräumen.

01:23:04: Man räumt die Wohnung auf und dann ist sie wieder dreckig.

01:23:06: Also man wird ja nie einen Weg finden.

01:23:08: Also bei mir ist die Wohnung nie sauber.

01:23:10: Egal wie doll wir aufräumen.

01:23:11: Ich will ja nur sagen, ich bin jetzt nicht aus Prinzip, weil es immer ein Grund geben muss, dagegen zu sein.

01:23:16: Nur in der DDR gab es ja auch Grund, dagegen zu sein.

01:23:19: Und das

01:23:19: warst du ja auch?

01:23:20: Und dann war ich es auch, weil ich einfach damals auch, es war ja beengt, es war ... eine unsägliche öffentliche Debatte.

01:23:29: Es war überhaupt nicht möglich, eine offene Diskussion über Probleme zu führen.

01:23:33: Ich habe mich damals als Marxistin, sogar als Kommunistin, damals verstanden.

01:23:39: Ich war ja gar nicht jemand, der gesagt hat, wir müssen jetzt die Bundesrepublik kopieren.

01:23:42: Aber ich habe gesehen, was alles schiefläuft und ich war nicht bereit.

01:23:47: dann so zu tun als sei also irgendwie die heile welt in der ddr.

01:23:51: das war ja absurd.

01:23:52: das waren ja also wirklich eklatante probleme und die repression und die einschüchter rum und und die staatssicherheit also das was

01:23:59: hat dich da geprägt?

01:24:00: also dass du da

01:24:01: denke was mich tatsächlich schon als kind geprägt hat war ein eine gewisse Ausgrenzung, die ich hatte, weil ich anders aussah.

01:24:08: Also ich bin ja auf einem kleinen Dorf bei meinen Großeltern aufgewachsen und es war in der DDR ja nicht so, dass es viele Kinder gab, die dunkle Haare hatten, dunkle Augen und ich wurde tatsächlich gehänselt.

01:24:20: Also ich bin aufgewachsen zunächst mal in dem Gefühl... Ich bin äußerlich sozusagen eher irgendwie bemitleidenswert, aber ich habe meine inneren Werte so.

01:24:31: Also, weil ich immer wieder gehänzelt wurde.

01:24:32: Also, wenn ich irgendwo hinkam, wo Kinder waren, haben die dann eben gesagt, ja, wie sieht denn die aus?

01:24:37: Und so, dann habe ich mich halt zurückgezogen, habe alleine, habe sehr früh lesen gelernt, habe sehr früh rechnen gelernt und habe mich quasi mit mir selber beschäftigt und habe mir dadurch aber auch eine innere Haltung angeeignet, dass ich mich nicht ... so sehr an Gruppen um mich herum orientiere.

01:24:56: Also, ich meine, viele Menschen, das ist auch menschlich.

01:24:59: wollen, dass die Gruppe ringsrum mit ihnen übereinstimmt.

01:25:03: Das ist auch gar nichts Schlechtes.

01:25:05: Das ist wahrscheinlich in der Evolution angelegt.

01:25:07: Wir sind ja soziale Wesen.

01:25:08: Aber es hat natürlich auch oft den Aspekt des Opportunismus.

01:25:12: Also, wenn die Gruppe in die falsche Richtung läuft, läuft man mit, was schlimmsten Fall historisch auch schon richtig schief gegangen ist.

01:25:20: Und ich hab, glaube ich, diese Prägung deshalb nicht, weil ich nie so wirklich Teil der Gruppe war als Kind.

01:25:27: Also, ich bin dann auch nicht in den Kindern.

01:25:28: Garten, sondern bin einfach Einzelkind und allein gewesen und habe mir dadurch eine gewisse Dickfälligkeit bewahrt.

01:25:37: Also wenn die Gruppe in eine andere Richtung will als ich, dann gehe ich trotzdem in die Richtung, die ich für richtig halte.

01:25:43: Also das zu machen, was

01:25:44: ich... Aber woher die Bezügspunkte bei mir waren immer andere Menschen?

01:25:49: Also so auch, ob das meine Eltern waren, ob das meine Cousinen waren, ob das Freunde waren, Lehrer waren, der Fahrer war.

01:25:55: Es gab immer Kurt Gupe hin.

01:25:59: Es gab immer so Koordinaten nah und fern.

01:26:02: Was waren deine?

01:26:03: Also natürlich meine Großeltern, also klar ein Kind orientiert sich an Menschen und für mich waren vor allem die Großeltern da.

01:26:09: Also die waren ja meine Bezugspersonen, bei denen bin ich aufgewachsen.

01:26:12: Die waren ja auch noch relativ jung.

01:26:14: Also meine Oma war neununddreißig, als ich geboren wurde, also.

01:26:17: Ah ja, DDR.

01:26:19: Neununddreißig, die.

01:26:21: Die Oma, ja,

01:26:23: ja.

01:26:23: Ja, klar.

01:26:23: Denn der Mutter war dann wahrscheinlich neunzig.

01:26:25: Einundzwanzig.

01:26:26: Und meine Oma war achtzehn.

01:26:29: Und auch mein Opa, der hat wirklich alles mit mir gemacht, was sonst vielleicht auch Väter mit ihren Kindern machen.

01:26:37: Das war natürlich als Person meiner Bezugspunkte.

01:26:40: Aber die waren nicht immer da, weil die mussten arbeiten.

01:26:43: Es waren keine wohlhabenden Leute, die mussten ja irgendwie Geld verdienen.

01:26:49: Und ich musste mich viel mit mir selber beschäftigen und hab dann eben eigentlich so meine Welt aus dem Büchern geholt, also als ich dann lesen konnte mit vier, hab ich wahnsinnig viel, bin ich in diese Bibliotheken gegangen, also war so eine Kinderbibliothek und hab mir immer Bücherstapel geholt und ich hab dann in diesen Büchern gelebt.

01:27:09: Und dann irgendwann, als ich dann auch ein bisschen noch mit Mathe mich beschäftigt hab, fing ich an so, es gab eine DDR, so eine Mathezeitschrift, wo man ... Ja, ganz schrecklich.

01:27:19: Viele finden das wahrscheinlich abstoßen.

01:27:22: Aber für mich war das faszinierend, komplizierte, logisch-matematische Probleme zu lösen.

01:27:28: Man konnte die dann auch einschicken und kriegte dann eine Rückmeldung, ob man es richtig gemacht hatte.

01:27:33: Das hat mich auch fasziniert, mich zu testen daran, ob ich solche mathematischen Aufgaben, die eigentlich für Schüler, was weiß ich, deutlich höherer Klassenstufen gedacht waren, ob ich die lösen kann.

01:27:47: Also Lesen, Bücher und Mathematik.

01:27:50: Das war die Welt, in der ich gelebt habe als Kind.

01:27:53: Hast

01:27:53: du nichts vermisst?

01:27:55: Also ich hatte eine glückliche Kindheit.

01:27:57: Also das würde ich auf jeden Fall so sagen.

01:27:59: Ich war nicht unglücklich.

01:28:01: Also ich war natürlich ein bisschen unglücklich, wenn ich von anderen Kindern abgelehnt wurde.

01:28:05: Klar, das macht ja auch was mit einem.

01:28:08: Aber ich hatte eine Umgebung, in der ich mich sicher gefühlt habe, mich wohl gefühlt habe.

01:28:14: Ich hatte keine Einschränkungen.

01:28:17: Und eigentlich war ich dann, als ich dann so diese, diese Welten mir erschlossen habe mit Büchern und mit Mathematik, war ich mit mir am Rhein und hatte eigentlich eine schöne Kindheit.

01:28:28: Ich habe eine Frage zu deinem Vater, wenn ich die stellen darf.

01:28:32: Das habe ich gelesen, dass dein Vater mit drei, da warst du noch nicht drei, weggegangen ist.

01:28:38: Und gibt es irgendwie, also kannst du dich erinnern an ein Moment, wo dieses Gefühl dass der Erwartung, dass er zurückkommt, dass der Papa das macht, was andere Papas machen, gab es irgendwann einen Moment, wo das vorbei war, dieses Hoffen auf etwas, auf eine Kontaktaufnahme.

01:28:56: Ich habe gelesen, dass du Briefe geschrieben hast und so weiter.

01:29:00: Gab es diesen Moment, dass du, ich hoffe jetzt nicht mehr, dass er sich meldet?

01:29:05: Ja, ich habe schon mal eine ganze Kindheit gehofft.

01:29:09: Also, das war für mich schon ein massive Einschnitt.

01:29:12: Hab ja noch lebendige Erinnerungen, natürlich an meinen Vater.

01:29:16: Drei Jahre ist ja doch so etwas, wo man sich erinnert, auch wie er mich getragen hat auf seinen Schultern, wie ich mit ihm gespielt habe.

01:29:24: Und dann war er weg.

01:29:25: und dann hat meine Mutter zunächst mal gesagt, wahrscheinlich, weil sie dachte, das sagt man mal so, weil andere Väter auch zur Armee eingezogen werden.

01:29:34: Das war ja damals so in der DDR, ich glaub, irgendwie anderthalb Jahre oder so musste ja jeder.

01:29:39: Und dann haben sie einfach gesagt, ja, der musste jetzt zur Armee.

01:29:42: Und ich hab das als Kind, das weiß ich noch.

01:29:46: Als ich dann irgendwann wieder nachgefragt habe, ja, wann ist denn die Armee zu Ende?

01:29:51: Und alle irgendwie ganz irritiert waren, weil sie wahrscheinlich gehofft hatten, dass ich gar nicht mehr daran denke oder das irgendwie vergessen habe.

01:29:58: Und da hab ich dann eben gemerkt, das ist jetzt nicht irgendwie nur ein Jahr oder so, sondern da ist tatsächlich der Kontakt verloren gegangen.

01:30:07: Und das hat mich schon, also das war so ein Verlust.

01:30:11: Der hat meine ganze Kindheit irgendwie mitgeprägt.

01:30:14: Gab es einen Moment, wo dieses Hoffen, dass man dann so aufgibt oder sich damit abfindet, ist das so ein Moment des Erwachsenenwerdens oder hört das eigentlich nie so richtig auf?

01:30:26: Nein, eigentlich nicht.

01:30:30: Irgendwann hat man ja dann andere Bezugspunkte oder so.

01:30:32: Aber zumindest für meine Kindheit, für meine Jugend, spielte das immer eine Rolle.

01:30:37: sogar ein ganz klein bisschen, als ich in die Politik gegangen bin.

01:30:41: Weil ich dachte, wenn ich berühmt werde, findet er mich.

01:30:45: Ja.

01:30:46: Ja.

01:30:46: Du hast diese Ur-Szene genannt, dass du auf den Schultern bist.

01:30:51: Das hat ja was Totales.

01:30:52: Also ich kenne das noch von meinem Sohn, dass das ja irre ist, wenn man das erst mal macht.

01:30:56: Für das Kind ist das heftig, für einen selber ist es auch heftig.

01:31:00: Aber auch total irgendwie auch schmerzhaft, wenn es dann irgendwie vorbei ist.

01:31:04: Und es hat ja auch was mit einer Art von totalem Vertrauen zu tun.

01:31:08: Dass man jemanden so ...

01:31:09: Ja, aber auch ... Man fühlt sich ja ganz stark als Kind.

01:31:13: Weil man ist ja dann ganz groß.

01:31:16: Man ist ja größer sogar als die Erwachsenen.

01:31:18: Und man hat ja etwas, wo man sich sicher fühlt.

01:31:22: Ich weiß noch, ich hatte da keine Angst.

01:31:24: Man sitzt ja ganz sicher, hält sich dann fest und wird getragen.

01:31:28: Und das ist schon irgendwie ein Gefühl.

01:31:31: Ich hab das nie vergessen.

01:31:33: Wenn irgendwann ist man ja wahrscheinlich als Kind sowieso zu schwer.

01:31:38: Aber

01:31:38: bei mir war es natürlich so, dass in dem Augenblick, wo mein Vater nicht mehr da war, also zumindest auf den Schultern, hat mich dann keiner mehr getragen.

01:31:45: Also das war tatsächlich mit ihm verbunden.

01:31:47: Bei welchen Menschen hast du das Gefühl, dass du getragen wirst?

01:31:51: Also jetzt natürlich bei meinem Mann.

01:31:53: Also das ist schon, ich glaube nicht, dass ich die Partei gegründet hätte, wenn ich nicht diese Beziehung hätte.

01:31:59: Also nicht, weil er auch aus der Politik kommt, nicht deshalb, sondern weil dieses... sich fallen lassen können zu Hause, immer aufgefangen zu werden, geschützt zu werden, sich auch wirklich zu Hause wohl zu fühlen und geliebt zu werden, das gibt ja unheimlich Kraft.

01:32:18: Und ich denke, wenn ich alleine gewesen wäre, weiß nicht, ob ich die Kraft gehabt hätte, weil man dann ja doch ganz anders durchs Leben geht.

01:32:27: Kannst du schnell vertrauen?

01:32:31: Nee, ich glaube nicht.

01:32:32: Dafür bin ich zu oft auch enttäuscht worden.

01:32:36: Also eigentlich die Freunde, die ich habe, die habe ich meistens doch schon sehr, sehr lange.

01:32:43: In deinem Buch geht es auch um Zugehörigkeit, dass das so fehlt, also auch in unserer Gesellschaft fehlt und das würde ich auch sagen.

01:32:52: Ich hatte einen der beeindruckendsten Erlebnisse in diesem Jahr und ein Jahr zuvor, als ich in Kenia und Tanzania war und du siehst oder ich habe gesehen, man kommt zu den ärmsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

01:33:04: und dieser Zusammenhalt Die waren so reich in dem Moment und es war plötzlich so krass.

01:33:11: Also eigentlich sind wir arm, was das betrifft.

01:33:14: Also diesen...

01:33:15: Ja, weil die Gesellschaft immer mehr so auseinander fällt, also auch viele Familien ja nicht mehr so Zusammenhalt haben.

01:33:22: Das ist tatsächlich etwas, was sich verändert hat.

01:33:25: Also ich stelle mir das schwer vor, wenn man alleine ist.

01:33:28: Voll.

01:33:29: Also ich war eigentlich nie wirklich länger, also ich war... Ich hatte ja zwei Ehen und die erste war sicherlich nicht die Perfekteste, aber ich war eigentlich nie über lange Phasen.

01:33:39: dann in meinem erwachsenen Leben allein direkt und richtig alleine sein, stelle ich mir.

01:33:45: Obwohl ich sogar jemand bin, der, sagen wir mal, mit sich selber auch vieles ausmachen kann, aber wenn man keinen Rückhalt in seinem Umfeld hat, glaube ich, fehlt einem schon die Kraft für vieles.

01:33:59: Also wenn du ... Jetzt nicht du wärst, sondern du guckst dich von oben an.

01:34:02: Das machst du vielleicht auch ab und zu mal.

01:34:04: Warum hat das Mädchen, was so ausgegrenzt worden ist, weil sie anders ist?

01:34:11: Anführungsstrichen anders.

01:34:14: Warum setzt die sich so, dieses Mädchen als erwachsene Frau und über viele, viele Jahre gegen so viele Widerstände immer noch für die Menschen ein?

01:34:23: Obwohl die Menschen ja auch ziemliche Arschgeigen gewesen sind.

01:34:29: Die Menschen ist ja falsch.

01:34:31: Ich hab ja immer auch Menschen gehabt, die alles für mich getan haben.

01:34:36: Also meine Großeltern zum Beispiel.

01:34:38: Das war ja für sie schon auch eine herausfordernde Situation.

01:34:42: Die haben zwei Kinder großgezogen.

01:34:46: waren, wie gesagt, auch nicht irgendwie auf Rosen gebettet, mussten ziemlich hart arbeiten und hatten jetzt plötzlich noch ein drittes Kind so ungefähr und mussten sich da kümmern und haben alles im Grunde für mich getan oder ich hatte.

01:34:58: Das war eine bedienungslose Liebe?

01:35:00: Ja.

01:35:02: Ich denke schon, Kindesliebe ist wahrscheinlich die bedingungsloseste, die es gibt.

01:35:06: Und ich denke, dass sie mich mindestens genauso geliebt haben, wie man ein eigenes Kind lebt.

01:35:11: Ich war die Enkelin, aber eigentlich war ich ein bisschen ihr drittes Kind.

01:35:16: Das habe ich erlebt, dann habe ich ja auch in meiner politischen Laufbahn natürlich auch sehr viel Zuspruch erlebt.

01:35:22: Ich habe Menschen gesehen, da habe ich ja sogar irgendwo immer ein schlechtes Gewissen, die mich mit so strahlenden, aber auch so hoffnungsvollen Augen angesehen haben, weil sie glauben, dass ich für sie was verändern kann.

01:35:34: Dass ich ja auch gespürt habe, dass da ein Rückhalt ist.

01:35:38: Also wenn das nicht da wäre.

01:35:42: Der hat sich dann auch niedergeschlagen, als wir die neue Partei gegründet haben in den Wahlergebnissen, die wir hatten.

01:35:47: Also da ist ja auch viel Zuspruch.

01:35:50: Also wenn ich jetzt immer nur abgelehnt würde, ja gut, dann hätte ich das ja auch nicht gemacht.

01:35:55: Also dann erreicht man ja auch in der Politik nicht.

01:35:57: Wenn man überhaupt keinen Rückhalt hat, dann kann man ja auch nicht irgendwas bewegen.

01:36:03: Was mir, ich weiß gar nicht, wo ich dich das erste Mal gesehen habe.

01:36:06: Ich glaube, es war Harald Schmidt.

01:36:07: Bin ich mir nicht sicher.

01:36:08: Also das ist lange, lange her.

01:36:10: Was ich noch nicht verstanden habe ist, und auch mit dem Beschäftigen mit dir, ist dieser Schritt von der, jetzt sage ich mal so, ganz holtschnittartig, dass eine junge Frau, die liest hauptsächlich Bücher, die liest Marx, Hegel, Goethe, kann Goethe sogar Faust eins und zwei auswendig, wie ich gelernt habe.

01:36:33: Konnte.

01:36:34: Konnte, was auch schon eine Leistung ist.

01:36:39: musstest du ja irgendwie plötzlich in diesem Politikbetrieb funktionieren, mit anderen.

01:36:44: Also Politik hast du immer Kompromisse, mit anderen Mehrheiten organisieren und das ist ja eine Fähigkeit, die man jetzt nicht unbedingt lernt, wenn man zu Hause Bücher liest, vorsichtig ausgedrückt.

01:36:57: Wie hast du dich dazu recht gefunden?

01:37:00: Ich habe es natürlich auch ein bisschen gelernt.

01:37:01: Ich muss das ja lernen.

01:37:03: Also das... habe ich zunächst mal, als ich bei der Linken Fraktionsvorsitzende war, lernen müssen.

01:37:10: Ansatzweise, damals habe ich allerdings versucht, mich da ein bisschen rauszuziehen.

01:37:14: Ich habe das Dietmar Barty überlassen, quasi die ganzen internen Sachen, soweit ich es konnte.

01:37:21: Wirklich ein Crashkurs in all diesen Dingen habe ich erst gemacht, als ich jetzt die Partei gegründet habe.

01:37:27: Ja, tatsächlich.

01:37:27: Also ich glaube schon, dass ich dadurch auch nochmal mich ein bisschen auch weiterentwickelt habe, also dass ich jetzt Dinge auch kann, die ich noch vor zwei Jahren weit von mir gewesen hätte, wo ich gesagt hätte, das kann ich gar nicht.

01:37:39: Was

01:37:39: zum Beispiel?

01:37:40: Ja, mit Menschen umgehen, Konflikte managen, also nicht jetzt primär mit mir, aber auch untereinander.

01:37:45: Also wenn Leute sich grün sind, muss man ja als Parteivorsitzender sich darum kümmern.

01:37:51: Oder auch wenn es insgesamt Unstimmigkeiten gibt, zu versuchen auf jemanden zuzugehen, dem auch irgendwie.

01:38:00: zu vermitteln, also auf der einen Seite, dass man ja auch seine Sicht versteht.

01:38:04: Meistens gibt es ja Gründe, warum die Leute irgendwas wollen oder aber wenn es eben nicht im Interesse der Gesamtpartei ist, auch irgendwo zu versuchen, ihn zu überzeugen, etwas anders zu machen.

01:38:15: Also ich meine, im innerparteilichen Geschehen ist es ja nie so, man kann ja überhaupt nichts durchstellen.

01:38:21: oder.

01:38:21: es ist ja nicht so, dass ich jetzt sage so, das ist falsch und dann macht er hier was anderes, sondern es geht ja immer darum, dass man Menschen überzeugt.

01:38:28: Und wenn man sie nicht überzeugt, dann machen sie es ja auch nicht.

01:38:31: Also das heißt wirklich auch auf Menschen zuzugehen, mit Menschen zu kommunizieren.

01:38:36: Also mein ganzes Leben der letzten zwei Jahre war ja eine einzige Kommunikation.

01:38:40: Also das habe ich ja früher wirklich nie in diesen Größenordnung machen müssen.

01:38:45: Und dabei habe ich schon auch etwas gelernt.

01:38:47: Also wie, ja, ich habe glaube ich früher oft Menschen auch verprellt, ohne dass ich es wollte, weil mir nicht wirklich klar war, wie sie, also wie sie oft Dinge reagieren.

01:39:01: Du meinst das Empathie?

01:39:05: Nein, nicht Empathie, sondern ich hatte früher immer die Überzeugung, wenn ich Argumente habe und ich lege das Schlüssel sich da, dann müssen die das doch verstehen und wenn sie es nicht verstehen, sind sie bösenwillens.

01:39:15: Und das war natürlich viel zu einfach.

01:39:18: Und Menschen irgendwie sich auch reinzuversetzen in ihre Positionen und auch zu versuchen, nachzuvollziehen, warum sie das jetzt gerade so denken, wie sie es denken und sie dadurch irgendwo auch anders abzuholen.

01:39:33: Das ist etwas, was ich relativ spät in meinem Leben erst gelernt habe, das gebe ich zu.

01:39:38: Und es hat sich dadurch für dich verändert?

01:39:40: Also in deiner ... Also merkst du, dass du weicher geworden bist?

01:39:44: Ja, das ... Also vorher war nicht hart im Sinne von einer bewussten Härte, sondern es war teilweise so, dass ich einfach sehr, wenn man das heute nennt, verkopft.

01:39:55: Also ich einfach davon ausging, gut, es gibt doch rationale Argumente und wieso kann derjenige das nicht nachvollziehen?

01:40:02: Warum?

01:40:03: versteht er das nicht.

01:40:06: Das ist natürlich ein Zugang, wo man Menschen auch oft dann unrecht tut und sie auch gegen sich aufbringt, ohne dass man das bewusst machen möchte.

01:40:17: Und da, glaube ich, habe ich tatsächlich früher auch viele Fehler gemacht.

01:40:22: Ich habe mir, glaube ich, manche Feinde auch gemacht, einfach unnötigerweise, weil ich gar nicht erst versucht habe, mich in ihre Position hineinzuversetzen.

01:40:33: Musstest du Menschen anrufen oder hattest das Gefühl, ich ruf mal an und sag du sorry, ich hab es einfach nicht gesehen?

01:40:38: Also hast du dich irgendwo um Entschuldigung gebeten?

01:40:43: Na ja gut, ich hab ja nicht Menschen persönlichen Schaden dadurch.

01:40:49: Aber manchmal kriegt

01:40:49: man eine Perspektive in den Neu.

01:40:51: Ich kenne das dann, wenn es so Menschen geht, die gar nichts mit meiner Lebensrealität zu tun haben, wurde ich nicht mit ihr.

01:40:57: Und dass man dann irgendwann viele Jahre später feststellt, ach so ist das, wenn man Vater ist.

01:41:01: Okay, das wusste ich ja vorher nicht.

01:41:03: Also, dass man dann noch mal die Welt mit neuen Augen sieht und auch merkt, so die flapsigen Kommentare, die waren unangebracht oder sowas.

01:41:12: Oder mein Nicht-Verstehen hat damit zu tun, dass ich, ja, ich war blind.

01:41:17: auf einem Auge.

01:41:18: Also gab es euch im Moment bei dir, dass du dich da entschuldigen müsstest oder

01:41:22: wolltest?

01:41:22: Es ist ja dann auch so, dass der Kontakt dann eben abgerissen ist.

01:41:26: Also da geht man meistens dann nicht nochmal seine Adressliste durch und ruft nochmal an.

01:41:32: Aber zumindest rückwirken kann ich eher sehen, wo ich selber auch in meinem Leben nicht nur Fehler gemacht habe, sondern mir auch Möglichkeiten verbaut habe und Menschen verprellte habe, ohne dass ich es gewollt habe.

01:41:46: Diese Zuschreibung, die es gegeben hat, oder die es ja immer wieder gibt, also eines, die unberührbare, die Eisprinzessin, es gibt ja so ganz, also es ist sehr kreativ, also sagen wir mal, alle Menschen waren sehr kreativ, wenn es darum ging, dich zu beschreiben.

01:42:04: Ja,

01:42:05: aber ob das jetzt, also mal Eisprinzessin, also ich glaube nicht, dass man mir vorwerfen kann, dass ich emotionallos bin, sondern es war... Tatsächlich eher so dieses, wenn man sehr geprägt dadurch ist, dass man alles versucht, irgendwie über seinen Verstand zu regeln und weil man vor allem auch Einzelgänger ist.

01:42:24: Also wenn man nicht in einer Gruppe aufwächst, hat man einfach bestimmte Fähigkeiten zunächst nicht.

01:42:29: Die muss man lernen und ich habe sie halt spät gelernt.

01:42:32: Aber das hat nicht mit Eis.

01:42:34: Also Eis heißt ja, es ist mir egal, was die denken oder es ist mir egal, was die wollen.

01:42:39: Das war nicht der Grund.

01:42:41: Und bist du ein Mensch, wenn es so Zuschreibung gibt, versuchst du dann extra das Gegenteil oder versuchst du dem zu entsprechen, wie, also jeder reagiert ja auf die Ecken, in die man gestellt wird, anders.

01:42:52: Manche machen dann, oh Gott, wie kannst du nur denken, dass ich rechts, links, Eis, was auch immer bin?

01:42:58: Oder, wenn du denkst, dass ich rechts bin oder links bin, ne?

01:43:01: Bin ich

01:43:02: es erst recht, oder?

01:43:03: Bin ich

01:43:03: es erst recht, der Trotz.

01:43:05: Gerade im Osten.

01:43:06: Kennen wir diesen Osttrotz, glaub ich.

01:43:08: Ja, gut.

01:43:09: Und nun ist auch das Problem, dass heutzutage so vieles als rechts gelabelt wird, was einfach viele Menschen als gesunden Menschenverstand ansehen.

01:43:17: Und zwar zu Recht.

01:43:18: Und das hat mit rechts nichts zu tun.

01:43:19: Aber wenn man immer wieder sagt, das ist rechts, also ... Was weiß ich?

01:43:23: Eine vernünftige Migrationspolitik, Außenpolitik für Frieden oder eine Wirtschaftspolitik, die unsere Industrie erhält.

01:43:30: Das ist ja alles nicht rechts.

01:43:32: Aber wenn die Leuten immer wieder erzählt wird, dass sie rechts oder einfach, was weiß ich, banale Dinge, dass es zwei Geschlechter gibt oder so, wenn man die Leuten immer wieder erklärt, das ist alles rechts, dann sagen sie natürlich irgendwann auch, ja gut, dann sind wir halt rechts.

01:43:45: Aber die Frage war ja, versuchst du eher im Bild zu entsprechen?

01:43:51: oder komplett gegenzugehen, oder wie schaffst du es dann in solchen Zuschreibungen, die es gibt, bei dir zu bleiben?

01:44:01: Also ich versuche mich eigentlich davon am besten gar nicht beeindrucken zu lassen.

01:44:06: Also weil ich denke nicht, dass man sich irgendwie weder in die einen noch in die andere Richtung inszenieren sollte, weder um ein Bild zu entsprechen, noch um jetzt künstlich einem Bild entgegenzuwirken.

01:44:19: Also ich habe ja auch nie Imageberater engagiert zum Beispiel, was wirklich Politiker machen.

01:44:24: Also viele Politiker haben ja dann irgendwelche Imageagenturen, die sich damit beschäftigen, wie sie gerade öffentlich dastehen und wie man sich dem irgendwie entgegenstellen kann oder was man da noch machen kann.

01:44:37: Und das ist dann oft wirklich künstlich und inszeniert.

01:44:40: Ich finde das schrecklich.

01:44:42: Also ich glaube, egal ob man mich mag oder nicht, aber man sollte mir schon zubelegen, dass ich einfach... bin, wie ich bin und mich nicht irgendwie inszeniere, weder in die eine noch in die andere Richtung.

01:44:53: Warum gibt es dann dieses Bild von dir, dass du das tun würdest?

01:44:57: Ich glaube, dass ich mich inszeniere, wird glaube ich nicht gesagt, sondern man sagt, man macht bestimmte Zuschreibung zu mir.

01:45:03: Also dass ich jetzt irgendwie ein Bild von mir forme, weiß ich nicht, ob man mir das unterstellt.

01:45:08: Also eigentlich bin ich glaube ich immer ziemlich ähnlich gewesen, also in der Art, also in der Art, wie ich auftrete, oder?

01:45:16: Ja, also man weiß ja, du bist auf jeden Fall, würde ich sagen, es gibt so eine, man hat sofort ein Bild von dir, also es gibt sofort so eine, du hast schon was Figurenhaftes, würde ich sagen.

01:45:32: Ja, also irgendwie so ein, es gibt irgendwie den, es gibt so ein Signature-Wagenknecht, würde ich behaupten.

01:45:38: Also was ist überhaupt nicht schlimm?

01:45:39: Also ne, ich meine, es ist gerade nicht wertensäunlich, ich glaube, es gibt irgendwie so ein ganz klares, Du hast eine Silhouette, so ähnlich wie Karl Lagerfeld, das auch hatte.

01:45:50: Genau, also ich würde das schon sagen.

01:45:51: Und auch eine Art und Weise, was ich erst schon hatte, dieses Oppositionelle, ist das das richtige Wortsache?

01:45:58: Oppositionelle.

01:45:59: Ja, also dieses, es gibt so eine bestimmte Haltung, ein bestimmtes Auftreten, da würde ich schon sagen, das ist so, also da bist du on brand.

01:46:10: Aber ich würde jetzt auch, ich kann das nicht sagen, ob du irgendein Bild entsprichst oder nicht, aber deswegen wird man so oder wird man nicht so.

01:46:18: Aber ich meine, ich habe ja nie irgendwie ein bewusstes Bild, also ein Imageberater engagiert man ja um zum Beispiel einen bestimmten Bild etwas entgegenzusetzen.

01:46:28: Also was weiß ich, glaube Söder ist so einer, der immer wieder versucht irgendwas zu inszenieren.

01:46:34: Meistens das, wo er gerade denkt, das ist jetzt populär und wenn das... Wenn es sich dreht, dann macht er das Gegenteil.

01:46:41: Es gibt ja Politiker, die immer wieder ihr Bild neu inszenieren.

01:46:46: Ich glaube, zumindest das unterstellt man mir nicht.

01:46:49: Stimmt, ja.

01:46:50: Es wäre auch wirklich absurd, weil das mache ich nicht.

01:46:54: Ich habe schon immer versucht, so weit man das eben kann, aus meinen Überzeugungen heraus die Politik zu machen.

01:47:02: Das auch öffentlich vertreten.

01:47:05: Ich hab ja nie irgendwie jetzt versucht, mit bestimmten Positionen eine neue Facette zu inszenieren.

01:47:12: Wenn ich meine Position geändert habe, weil ich irgendwann bestimmte Dinge nicht mehr für richtig gehalten habe.

01:47:18: Aber das ist ja was anderes.

01:47:19: Was denken Andere über dich, was nicht stimmt?

01:47:22: Vieles.

01:47:24: Ich glaube zum Beispiel, dass ich nicht streitsüchtig bin.

01:47:27: Also ich bin jemand, der Streit eigentlich schwer erträgt und nicht gut findet.

01:47:32: Also ich bin eigentlich wirklich sehr kompromissbereit.

01:47:35: Aber es wird von mir immer dieses Bild gemalt.

01:47:38: Ich sei also irgendwie jetzt dann ganz verbohrt und würde dann irgendwie immer auf meiner Position beharren.

01:47:45: Oder es war auch, als wir die neue Partei gegründet haben, wurde ja immer so getan.

01:47:49: Ich würde die so mit strafferhand von oben führen.

01:47:54: Ich wünschte, ich könnte das.

01:47:55: Ich kann das ja gar nicht.

01:47:56: Also ich hatte ja wirklich am Anfang musste ich erst mal lernen, wie man eine Partei überhaupt führt und geschweige denn mit straffer Hand.

01:48:02: Also man muss ja als Parteivorsitzender natürlich irgendwie eine Partei führen, aber ich glaube, dass das nicht mein bestes Talent ist.

01:48:08: Also ich meine, ich kann vielleicht mit Inhalten überzeugen, aber eine Partei führen ist was anderes.

01:48:15: Das ist nicht etwas, was ich irgendwie von der Pika auf gelernt habe und bin vielleicht so ein bisschen da reingewachsen.

01:48:23: dass das Bild, was gemalt wurde, war ja ein völlig anderes.

01:48:27: Und wie gesagt, auch die Art und Weise, wenn man mir sagt, ich sei rechthaberisch oder würde immer denken, dass ich recht habe, ich habe mich oft genug in meinem Leben korrigiert, um nicht zu glauben, dass ich immer recht habe.

01:48:38: Also, es liegt mir auch wirklich fern.

01:48:42: Also, das wäre irgendwie gnadenlos arrogant.

01:48:46: Eine Sache, die ich gelesen habe, war bei, ich glaube, es war dann Steffen Maud, Triggerpunkte, dass ... Er oder sein Kollege mich, wenn sich ganz sicher sagt, dass du eine Polarisierungsunternehmerin bist.

01:48:56: Also, dass du weißt, wie man Menschen polarisiert.

01:49:00: Und nun ist Stefan Mao ein sehr, sehr angesagter und angesehener Soziologe.

01:49:06: Und ich habe mich so gefragt in der Vorbereitung, wenn jetzt keine Ahnung, Giovanni di Lorenzo sagen würde, boah, der Hilscher, seine Fragen, was auch immer er damit will, das geht ja gar nicht.

01:49:19: Und wenn du solche Zuschreibungen kriegst, wie Polarisierungsunternehmer.

01:49:24: Ist es, fragst du dich dann, muss ich vielleicht sprachlich abrüsten, muss ich irgendetwas anderes machen, also dass das irgendwie, wenn jemand, der es jetzt nicht böse meint, so etwas sagt, was macht das dann mit dir?

01:49:40: Also auf jeden Fall finde ich die Zuschreibung falsch, weil wir haben ja eine Polarisierung in der Gesellschaft.

01:49:46: Und die halte ich in dieser Form, wie wir sie erleben, für ein Problem.

01:49:50: Wo ist die Polarisierung, wo findet die Stadt?

01:49:51: Die Polarisierung ist, dass eigentlich Menschen immer mehr nur noch in ihrer Blase sich bewegen und mit der anderen Seite gar nicht mehr reden, auch nicht mehr reden wollen.

01:50:01: Also für diejenigen, die sich als eher links verstehen, die kämpfen dann immer gegen rechts, aber sie kämpfen nicht gegen Nazis.

01:50:08: Also gegen Nazis würde ich jederzeit kämpfen und unbedingt.

01:50:12: Aber jeder, der nicht ihrer Meinung ist, wird als Nazi deklariert.

01:50:17: Und deswegen haben sie auch eine starke Überheblichkeit den gegenüber, die halt anders denken, die sie dann im Grunde der AfD in die Arme treiben, weil sie die Debatte so führen.

01:50:27: Wenn jemand ein Soziologe ... Ein Wissenschaftler sagt, die Frau Wagenknecht, die ist eine Polarisierungsunternehmerin.

01:50:34: Also die oder auch Populistin wurde auch schon ein paar Mal gesagt.

01:50:37: Ja, das ist ja auch so ein dummer Begriff.

01:50:40: Was ist ein Populist?

01:50:42: Also ist ein Populist einfach jemand, der Dinge sagt, die populär sind?

01:50:46: Die Dinge vereinfacht.

01:50:48: Also die gesamte Politik vereinfacht.

01:50:50: Schau dir Wahlkampfplakate an, es ist eine gnadenlose Vereinfachung.

01:50:54: Und wenn Merz sich im Bundestag hinstellt, die Art, wie er die Welt schildert, natürlich ist das eine völlige Vereinfachung.

01:51:00: Wir sind die Guten, der Russe will Krieg, AfD-Wähler sind halbe Nazis.

01:51:08: Ja gut, hat mit der Realität wenig zu tun.

01:51:11: Aber

01:51:12: wenn du sagst, Merkel ist schon an der Migration, an der schlechten Schulbildung, ist das ja auch eine Vereinfachung.

01:51:19: Ja, aber es ist etwas, was leider stimmt.

01:51:22: Natürlich hat die Migration auch mit dem sinkenden Bildungsniveau zu tun.

01:51:26: Nicht weil die Migranten dümmer sind, also im Gotteswillen.

01:51:29: Die sind genauso klug wie wir.

01:51:31: Aber wenn in einer Schule Menschen sind oder Kinder sind, die die Sprache nicht sprechen, dann sinkt natürlich das Bildungsniveau.

01:51:39: Und zwar dramatisch.

01:51:40: Aber denkst du in solchen Momenten drüber nach an diesen, denkst du, also bei welchen Leuten denkst du den Zuschreibung, die du kriegst?

01:51:48: Ich will da überhaupt nicht Eisprinzessin reinnehmen, weil das ist, finde ich, quatsch und auch viele andere, die du kriegst, blödsinnig.

01:51:54: Aber eben dieses, da sagt ein schlauer Mann, sagt, hey, die drückt ganz schön doll, die drückt die Angstpunkte gerade der Ostdeutschen.

01:52:04: Und gibt es da einen Moment, wo du dich fragst, mach ich das vielleicht zu doll?

01:52:08: Drück ich vielleicht?

01:52:09: Also du, wir haben die erste Stunde unseres Gesprächs, hab ich dir gesagt, boah, es ist mir... Da ist viel Angst und alles, was schlecht ist und so weiter.

01:52:17: Und gibt es Momente, wo du dich fachst, mach ich es vielleicht ein bisschen, übertreib ich es vielleicht ein bisschen mit der Angstmache?

01:52:26: Aber ich mache nicht Angst.

01:52:27: Die Ängste sind da.

01:52:29: Ich spreche sie an und ich sage, welche Entwicklungen Menschen Angst machen, um diese Entwicklungen zu stoppen.

01:52:36: Das ist doch dringend notwendig.

01:52:38: Also ich halte es auch von dem Herrn Mao für selbstgefällig so zu tun, als sei die gesellschaftliche Polarisierung würde sie daraus rühren, dass jemand wie ich sie anspricht, also sprich Unmut oder Wut oder Ähnliches oder auch Ängste ausspricht.

01:52:54: Die kommen doch nicht daher, dass ich sie anspreche.

01:52:57: Die kommen doch daher, was die Menschen erleben, was sie auch sehen.

01:53:04: Ja, aber Angst verstärkt sich.

01:53:05: Also wenn ich dir jetzt sage, Wenn du jetzt sagst, du musst total aufpassen draußen könnte da da da da sein und ich denke überhaupt nicht dran und dann werde ich plötzlich ängstlich wenn ich dir also man gefühle kann man ja sozusagen aktivieren auch die sind ja nicht nur also klar wir haben alle gefühle jeder mensch hat alle gefühle und man kann diese gefühle auch schlau und klug aktivieren.

01:53:30: Aber

01:53:31: dann muss man darüber reden, sind die Ängste berechtigt oder sind sie unberechtigt?

01:53:35: Wenn sie unberechtigt wären, dann wäre es auch politisch falsch, sie zu bedienen.

01:53:40: Aber ist das

01:53:41: nicht die Aufgabe?

01:53:42: Ist das nicht auch das Geschäft von... Opposition, das immer wieder zu bedienen?

01:53:46: Nein, also wenn jetzt zum Beispiel jemand Angst hat, dass demnächst Außerirdische auf der Erde einfallen und uns alle auslöschen.

01:53:53: Und ich halte diese Angst für absurd.

01:53:57: So, wenn ich jetzt damit, weil

01:53:59: das

01:54:00: plötzlich ganz viele Menschen so denken, wenn ich jetzt sagen würde, okay, also das bringt Wahlerfolge, ich sage jetzt auch, die Außerirdischen sind schon im Anmarsch.

01:54:08: Ja, gut, dann würde ich natürlich erstens zutiefst unlauter agieren, weil ich selber nicht dran glaube.

01:54:13: Und zweitens wäre das tatsächlich etwas, wo man eine Hysterie schürt, die überhaupt keine Grundlage hat, weil es sind vermutlich kein Außerirdischen auf dem Weg.

01:54:24: Aber sagst du?

01:54:25: Aber die Ängste, über die ich spreche, also da muss man dann wirklich sagen, ist das falsch, dass Menschen Angst vor Altersarmut haben, dass Menschen Angst davor haben, dass unsere Industrie abwandert, dass Menschen Angst haben, dass ihre Kinder Kinder in der Schule nicht mehr ordentlich eine Bildung bekommen, dass Menschen Angst haben, dass sie nicht mehr ordentlich medizinisch versorgt werden.

01:54:44: Also sind diese Ängste grundlos oder gibt es Gründe, und zwar sehr berechtigte, dass Menschen diese Ängste haben.

01:54:54: Und dann muss man doch darüber reden, was kann man tun, damit sie diese Angst nicht mehr haben müssen.

01:54:59: Also was muss sich verändern, damit sie diese Angst nicht mehr haben?

01:55:02: Also, das ist doch die wichtigere Debatte.

01:55:04: Aber so zu tun, wir nehmen ihn jetzt mal die Ängste.

01:55:08: Also jemand steht vor mir und sagt, ich weiß nicht, wovon ich im Alter leben soll.

01:55:11: Hier meine Rentenpunkte, das ist auch ein Desaster.

01:55:14: Ich hab Riesenangst, was ich machen soll, wenn ich irgendwie siebenundsechzig bin.

01:55:20: Oder vielleicht schaffe ich es auch gar nicht bis dahin, weil ich diesen harten Job nicht so lange machen kann.

01:55:24: Und dann gehe ich hin und sage ... Mach dir keine Sorgen, wer wird's gut gehen?

01:55:30: Es gibt eine andere Möglichkeit.

01:55:32: Ich kann mir das ja auch anhören und kann sagen, das ist doof.

01:55:36: Das tut mir voll leid.

01:55:39: Also ich kann ja auch, wenn mir eine Freundin oder ein Freund was sagt, dass der Freund oder wer auch immer Schluss gemacht hat, der Mieter entlassen hat und so weiter.

01:55:45: Ich muss ja gar nicht sagen, ich kümmere mich.

01:55:50: Wer kann das dann schon wirklich?

01:55:52: Sondern es kann ja auch einfach sein, dass ich sage, ich schürme es an.

01:55:55: Ich gebe einen Raum dafür, dass die Stimme gehört wird.

01:55:58: Ich lade die Person in meinen Podcast ein, in deinen YouTube-Wochenformat, dass sie gehört wird, dass es eine Stimme ist.

01:56:06: Aber das Versprechen ist doch auch ganz oft, dass du, wenn du mehr Stimmen hättest,

01:56:14: das

01:56:14: ändern würde.

01:56:15: Ja, also man kann das ja ändern.

01:56:18: Also derjenige ist ja nicht, also dass man ihn hört, ist ja nur der erste Schritt.

01:56:23: Da sind wir auch wieder da.

01:56:24: Die Ängste müssen ja eine Stimme haben.

01:56:26: Politiker haben auch die Aufgabe.

01:56:28: Weil ich ja mehr Stimme habe als ein einzelner Bürger.

01:56:32: Also hab ich irgendwo auch die Verpflichtung, Ängste, die Menschen haben, auch zu artikulieren, damit sie öffentlich gehört werden.

01:56:39: Artikulieren aber nicht zu verstärken, oder?

01:56:42: Nicht zu verstärken.

01:56:43: Aber schon, das ist eben das Entscheidende.

01:56:46: Wenn die Ängste unbegründet sind, dann kann ich sagen, also zum Beispiel halte ich es ... nicht für eine realistische Angst, dass wir kurz vor der Machtergreifung eines neuen Hitler stehen.

01:56:56: Also das war ja teilweise, wo wir im Winter diese Debatte hatten, wo Friedrich Merz diesen Antrag eingebracht hat.

01:57:03: Im Bundestag und die AfD hat dem zugestimmt.

01:57:05: Wir reden

01:57:06: über Putin.

01:57:07: Gerade?

01:57:08: In dem Falle habe ich über diesen Zuwarnungsantrag geredet, aber auch meine ... Oder nehmen wir Putin.

01:57:13: Das ist ja auch für viele Menschen präsent.

01:57:15: Also es gibt viele Menschen in Deutschland, die haben aktuell die Angst, dass ... der finste Russe demnächst Deutschland besetzen wird.

01:57:26: Das ist in meinen Augen eine absurde Angst, weil egal, was Putin in seinem Kopf hat und planen könnte oder auch nicht, die Kräfteverhältnisse zwischen der NATO und Russland.

01:57:39: So klar militärisch zugunsten der NATO sind, dass Russland militärischen Selbstmord begehen würde, wenn es die NATO angreifen würde.

01:57:50: Ganz abgesehen davon, was für Putin interessant wäre, Deutschland zu besetzen, weil so viel Rohstoffe haben wir nicht.

01:57:59: Aber egal.

01:58:01: Selbst wenn es finistere und finstere Pläne gäbe, die Kräfteverhältnisse schließen, ist eigentlich aus, dass ein russischer Machthaber, der halbwegs bei Verstand ist, die NATO angreifen könnte, weil er da nur Schiffbruch erleiden kann.

01:58:17: Das ist eine Angst, die du nicht verstärkst.

01:58:19: Ich verstärk sie nicht nur nicht, sondern ich versuche den Menschen plausibel zu machen, dass wir nicht ihre Summen in Aufrüstung stecken müssen, um diese Angst zu beseitigen, sondern dass wir da eigentlich schon auf der sicheren Seite sind.

01:58:33: Allerdings ist schon auch eine Kriegsgefahr gibt.

01:58:36: Aber die rührt nicht daher, dass man uns quasi plant zu überfallen, sondern wenn die Konfrontation immer stärker wird, dann kann ein Krieg ja sogar aus einem Zufall, aus einem Missverständnis heraus entstehen.

01:58:51: Und insofern gibt es begründete Angst vor Krieg, aber die Angst, so wie sie öffentlich dargestellt wird, die ist unberechtigt.

01:58:59: Also sage ich.

01:59:01: Wir brauchen keine Aufrüstung, um diese Kriegsgefahr zu vermindern.

01:59:05: Es ist sogar umgekehrt so, wenn wir immer mehr Militär und immer mehr Waffen haben und immer mehr Raketen, dann ist die Wahrscheinlichkeit verdammt groß, dass wir dadurch gerade in einen Krieg hineinschlittern.

01:59:16: Also ich bin ja nicht jemand, der unterwegs ist und guckt, wo sind Ängste und kann ich Ängste verstärken, sondern ich finde, es gibt berechtigte Ängste, die muss die Politik artikulieren.

01:59:27: Aber zum Beispiel, wenn jetzt gesagt wird, ja, Polarisierungsunternehmer, das kann man genauso gut, Friedrich Merz oder Herrn Pistorius unterstellen, die ja diese Kriegsangst schönen.

01:59:38: Genau so.

01:59:39: Ich sehe auch, wenn jemand sagt, wir müssen kriegstüchtig werden, ist das ein krasser Satz, finde ich.

01:59:45: Und ich finde auch, dass ich das schon auch gesagt habe, das könnte der letzte Sommer in Frieden sein, finde ich das heftige Angstmacherei.

01:59:53: Und deswegen diese Angstmacherei.

01:59:59: Also ich glaube, die kommt gerade von, also alle, was ist alle, ich habe das Gefühl, dieses Mittel der Angst, dass sich das sehr viele Politiker und Politikerinnen zu eigen machen.

02:00:10: Und das sehe ich als eine Gefahr, weil Angst ist nicht gut, weil wenn man Angst hat, trifft man keine klugen Entscheidungen und so weiter.

02:00:19: Ja, oder ja ein.

02:00:22: Man sollte keine unberechtigten Ängste haben.

02:00:24: Aber wenn Menschen Angst vor Dingen haben, die ihnen wirklich drohen, dann ist das ja nicht etwas ... Diese Ängste kann man ihnen ja nicht dadurch nehmen, dass man die Zeit mal mutiger oder befreit euch von dieser Angst.

02:00:39: Sondern die Angst könnte man ihnen nehmen, indem man ... andere Regelung schafft.

02:00:44: Also die Angst vor Altersarmut kann die Politik den Menschen nehmen durch ein ordentliches Rentensystem.

02:00:49: Das ist auch wieder.

02:00:50: zum Beispiel Österreich hat ein besseres.

02:00:52: Also wenn wir Reform machen würden, wie in Österreich, müssten die Menschen nicht mehr oder zumindest nicht mehr in der Größenordnung Angst vor Altersarmut haben.

02:01:00: Ein Durchschnittsrentner hat dort eben fast achthundert Euro mehr im Monat.

02:01:04: Also man kann Menschen ja durch Politik auch Ängste nehmen, indem man einfach vernünftig Entscheidungen trifft.

02:01:11: Wir gehen jetzt mal davon aus, du kommst wieder zurück in den Bundestag.

02:01:14: Die Auszählung gelingt und du bist wieder am Start.

02:01:16: Was wäre das Erste, was du versuchst?

02:01:18: Ein einziger Sache.

02:01:20: Was würdest du von all den Sachen, über die wir gesprochen haben, was würdest du versuchen, wirklich aktiv reinzubringen und zu verändern?

02:01:28: Eine

02:01:28: Sache ist zu wenig.

02:01:29: Also ich meine...

02:01:31: Wir fangen klein an, dann sehen wir die Erfolge, dann geht's noch mehr, aber lass uns mit einer Sache anfangen.

02:01:37: Ja, ich würde natürlich alles dafür tun, bei der Friedensfrage auch dann die parlamentarische Bühne zu nutzen, um deutlich zu machen.

02:01:46: Wir brauchen diesen Wahnsinn nicht.

02:01:49: Und es ist gefährlich, wenn wir uns immer mehr einer militärischen Logik unterwerfen, weil sich das auch verselbstständigt.

02:01:56: Also man bekommt dann auch Machtverhältnisse im Land.

02:01:59: Also das ist ja dieser militärische, industrielle Komplex, den die USA haben, den wir bisher so gar nicht hatten.

02:02:06: Unser ganzes Land würde sein Gesicht verändern.

02:02:08: Also diese Frage von Krieg und Frieden, das ist schon für mich...

02:02:12: Die Zentrale?

02:02:13: Ja, weil das ist ja dieser berühmte Ausspruch von Willy Brandt, der stimmt ja.

02:02:17: Ohne Frieden ist alles nichts.

02:02:19: Also wir haben viele andere Probleme und viele andere Baustellen.

02:02:23: Aber wenn irgendwann Bomben wieder hier fallen und womöglich sogar Atomare raketen, dann haben wir... Das

02:02:30: ist jetzt aber Angst.

02:02:32: Nein, aber das ist ja auch ne, na ja, ne, ist ne Feststellung.

02:02:35: Wenn irgendwann hier in Deutschland Bomben fallen, dann reden wir nicht mehr über Bürokratieabbau und Überbildungen, sondern dann geht's um die nackte Existenz und das Überleben.

02:02:45: Also deswegen ist das schon eine Frage, die alle anderen überlagert.

02:02:51: Aber der letzten Endes ist es die gleiche Angst.

02:02:53: Es ist voll interessant, weil deine Angst ist, wenn wir zu viel machen, könnte das passieren.

02:03:00: Und die Angst der anderen ist, wenn wir zu wenig machen, könnte das passieren.

02:03:03: Am Ende ist es das Gleiche und deswegen drehen wir uns...

02:03:06: Dann ist es nicht das Gleiche.

02:03:07: Die Frage ist ja, welche Angst ist berechtigt.

02:03:10: Aber

02:03:10: es ist Angst.

02:03:11: Es ist in beiden Fällen, treibt die Angst

02:03:13: zu mehr... Ja, Angst ist ja auch ein Gefühl, das ja nicht, wenn sie berechtigt ist.

02:03:20: Dann ist dem Menschen ja deshalb dieses Gefühl gegeben, damit er Situationen vermeidet, die ihn in eine Gefahr bringen.

02:03:27: Also Angst hat ja auch etwas Positives, wenn sie begründet ist.

02:03:31: Wenn ich aus Angst Dinge unterlasse, die mich in Gefahr bringen.

02:03:35: Oder wenn ich als Politiker Dinge zum Beispiel eine Politik mache, die nicht riskiert, dass wir mit Russland in den Krieg kommen.

02:03:44: Also dass ich, also zum Beispiel, wenn Deutschland immer stärker Kriegspartei in der Ukraine wird.

02:03:50: Wenn wir irgendwann Bodentruppen in der Ukraine haben, was ja wirklich einige wollen, dann sind wir ja auch im Krieg.

02:03:57: Vertraust

02:03:58: du noch dem politischen System oder misstraust du ihm schon?

02:04:05: Ja, es sind ja immer Menschen und es gibt Politiker, denen ich misstraue, das sage ich schon, ja.

02:04:12: Aber es gibt auch in allen Parteien ehrliche Politiker, die tatsächlich auch, ich meine ... Man muss ja jetzt auch nicht immer die gleiche Meinung haben, aber die sich engagieren, weil sie etwas Gutes wollen.

02:04:28: Ist

02:04:30: man das?

02:04:32: Also ich denke, man sollte im Grundansatz mit sich im Reinen sein.

02:04:37: Also sprich nicht, dass man morgens aufwacht und sich immer die Frage stellt, ob man völlig aus dem falschen Dampfer ist.

02:04:44: Die Frage stelle ich mir nicht.

02:04:45: Aber man sollte sich schon immer auch hinterfragen, ob in einzelnen Schritten, die man gerade geht und die vielleicht andere kritisieren, ob da nicht auch Punkte sind, wo die Kritiker recht haben.

02:04:58: Und wo bist du gerade im Inneren, also am welchen, auf welchem Feld?

02:05:04: bist du gerade in so einem inneren Zwiespalten mit dir selbst?

02:05:08: Na den einen habe ich jetzt gerade gelöst, das war eben schon ein bisschen der Zwiespalt, wie lange ich wirklich auch als Parteivorsitzender versuche, auch direkt die Partei.

02:05:18: eben auch zu führen.

02:05:20: Das ist ja nun mal der Job der Parteivorsitzenden.

02:05:22: Wie lange ich versuche, das so direkten Einfluss zu nehmen, was Parteiaufbau und Organisation und all diese Dinge angeht, dass, wenn man das aus der Hand gibt, hat man ja immer auch, natürlich muss man dann sagen, okay, muss man sich darauf verlassen, dass es die anderen gut oder sogar besser machen als man selbst.

02:05:41: Ich habe inzwischen aber das Gefühl, das andere ist wirklich auch besser machen können, zumal die Leute, die wir jetzt haben.

02:05:47: Und deswegen bin ich in der Frage jetzt mit mir im Reihen.

02:05:50: Aber es war natürlich lange Zeit in Zwiespalt auch direkt nach der Bundestagswahl.

02:05:55: Ursprünglich, also nehmen wir mal an, wir hätten ein Ergebnis von drei Prozent gehabt.

02:05:59: Dann war für mich klar, dass ich am Tag nach der Wahl zurücktrete.

02:06:02: Also mein Plan war ja, die Parteien im Bundestag zu führen.

02:06:05: Und wenn wir das dramatisch verfehlt hätten, jetzt wirklich mit einem sehr schlechten Ergebnis, dann hätte ich natürlich gesagt, okay, also wir haben es versucht.

02:06:16: Das ist jetzt nicht erfolgreich gewesen.

02:06:18: Die Leute haben uns dann doch nicht gewählt.

02:06:20: Okay, dann wäre das für mich dann auch, dann wär's das gewesen.

02:06:25: Und dadurch, dass wir aber eigentlich so halb drin waren, und nur nicht so ganz, und eben immer noch auch warten müssen, ob nachgezählt wird, hab ich natürlich zunächst mal auch dann die Entscheidung getroffen.

02:06:40: Aber da musste ich natürlich erst mal drüber nachdenken, weiterzumachen.

02:06:44: Und bis heute ja auch weiter zu machen.

02:06:47: Also ich will ja auch weiter machen, auch wenn ich Parteivorsitzende nicht mehr bin.

02:06:50: Aber das war natürlich nach der Bundestagswahl zumindest eine Phase, wo ich darüber... Ja, nachgedacht habe, klar.

02:06:59: Weil ursprünglich hatte ich eben gedacht, es gibt zwei Möglichkeiten.

02:07:03: Wir kommen im Bundestag, dann ist klar, ich werde einfach zu uns Vorsitzende.

02:07:07: Oder aber wir scheitern, wo aber ich davon ausging.

02:07:10: Ich meine, wir hatten ja damals auch schon immer Umfragen von drei Prozent, die wir jetzt haben so.

02:07:15: Ich musste ja auch mit der Möglichkeit rechnen, dass wir richtig dramatisch abschmieren.

02:07:20: Und da war für mich klar, okay, dann war es das.

02:07:24: Und das ist aber nur genau, was dazwischen wird.

02:07:26: Ist das nicht

02:07:26: vorhanden?

02:07:27: Optionen

02:07:27: habe ich mich nicht vorbereitet.

02:07:30: Ich frage mich die ganze Zeit, bevor ich meine letzte Frage stelle, frage ich mich ganz offen Leute, die sitzen, was soll man dem Gast oder der Gästin, was soll man der wünschen?

02:07:39: Und bei dir weiß ich es gar nicht so richtig, was man dir wünschen soll.

02:07:42: Aus der einen Seite denke ich, wenn es nicht richtig war, dann ist es ja doof.

02:07:45: Also in der Demokratie sollten die Stimmen, die sollen genauso sein, wie sie gewesen sind.

02:07:50: Und gleichzeitig denke ich aber, Wenn ich an den Job denke den du dann hast und auch zu wissen was Fraktionen betrifft und so weiter.

02:07:58: Und aber auch wissen welche Sehnsucht du nämlich hast nämlich zu den Büchern.

02:08:03: Dann weiß man gar nicht was man dir so richtig wünschen soll.

02:08:05: Also weil wenn du in der Fraktion wenn du wieder am Bundestag bist in der Fraktion sind die Büchern noch noch mal ein Stückchen weiter weg glaube ich.

02:08:13: Ich glaube, wir kriegen das besser hin.

02:08:16: Also wir haben wirklich richtig gute Leute auch auf den Listen.

02:08:19: Also sage ich jetzt nicht, weil jeder Politiker immer Lob, dass er Leute hat, sondern wir haben wirklich interessante Leute.

02:08:24: Und ich denke, dass die Präsenz im Bundestag auch der Weg wäre, auch da Verantwortung besser zu verteilen und Leute bekannter zu machen, die man jetzt noch nicht kennt und damit natürlich auch schrittweise Verantwortung auch abzugeben.

02:08:40: Dass der Kuddel ... Sozusagen auch gekannt wird.

02:08:43: Genau.

02:08:44: Die letzte Frage, Sarah.

02:08:45: Ich hatte eine große Plakatwand am Alexanderplatz.

02:08:48: Imagination ist gefragt und du darfst entscheiden, was für alle drauf zu lesen ist.

02:08:52: Was schreibst du drauf?

02:08:53: Was treibe ich auf die?

02:08:55: Die Plakatwand.

02:08:56: Auf die Plakatwand.

02:08:58: Um Vernunft.

02:09:02: Vernunft.

02:09:03: Ja, ich finde, wir brauchen wieder eine stärkere Vernunftorientierung in den öffentlichen Debatten.

02:09:08: Wir haben so eine Moralisierung, Emotionalisierung, Hysterisierung, ein bisschen mehr Rationalität und Vernunft wäre oft nicht schlecht.

02:09:18: Da gebe ich dir auf jeden Fall recht.

02:09:20: Aber die pure Vernunft, laut Togotronik, darf auch niemals siegen.

02:09:25: Vielen, vielen herzlichen Dank für dein Besuch.

02:09:26: Ich wünsche dir, dass du zumindest Also das wünsche ich dir jetzt wirklich, dass du zwischen Weihnachten und Neuer, dass du richtig viel Zeit nur in Bücher verbringen kannst.

02:09:37: Das ist so eine Zeit, finde ich, wo man so viel lesen kann.

02:09:39: Da kriegt man wahrscheinlich auch was zu Weihnachten.

02:09:41: Und da hoffe ich, dass dein Telefon komplett still ist, dass sich niemand meldet und du einfach mit deinem Mann irgendwo sitzen kannst und einfach ein Buch nach dem anderen lesen kannst.

02:09:50: Das wünsche ich dir.

02:09:50: Das hoffe ich.

02:09:51: Also das könnte dieses Jahr gelingen, die letzten zwei Jahre, war es undenkbar.

02:09:56: Aber ich glaube diesmal.

02:09:58: habe ich eine gewisse Chance.

02:09:59: Gibt

02:09:59: es einen Buch, auf das du dich freust?

02:10:01: Auch ganz viele, ganz viele.

02:10:03: Also ich habe einen Buch tatsächlich auch noch nicht gelesen, obwohl ich das so gerne lesen möchte, die drei Schwestern von Christian Baron.

02:10:11: Ich habe seine anderen Bücher gelesen oder ich kann schon sagen verschlungen.

02:10:14: Es sind wirklich richtig gute Bücher.

02:10:15: Es ist ein sehr, sehr guter Schriftsteller und dieses Buch hat er mir im Herbst geschickt.

02:10:21: Ja, in dem Alltag, den ich habe, habe ich es immer noch nicht lesen können und spätestens Weihnachten will ich es auch wirklich lesen.

02:10:27: Dann wünsche ich dir das.

02:10:28: Viel Freude damit und vielen Dank für deinen Besuch.

02:10:30: Danke.

02:10:36: Das war Sarah Wagenknecht.

02:10:38: Vielen, vielen herzlichen Dank fürs Zuschauen und auch zuhören, was ich nach diesem Gespräch noch viel mehr nachvollziehen kann, als davor diese Faszination, die Medienschaffende gegenüber Sarah Wagenknecht haben.

02:10:50: Ich war ja auch fassend, deswegen habe ich sie auch eingeladen.

02:10:52: Aber wenn sie dann einmal voreinsitzt und man versucht sie zu begreifen, so wie ich das ja heute auch gemacht habe, dann merkt man, oder ich habe es gemerkt, es ist nicht so einfach, weil sie überhaupt nicht in diese gängigen Schublaten passt.

02:11:03: Darüber haben wir ein bisschen gesprochen, aber ich hätte es nicht so extrem erwartet.

02:11:07: Die macht da wirklich einen ganz eigenen Schrank auf, würde ich sagen.

02:11:11: Und dann ging es mir auch während des Gesprächs so, dass ich dann wieder mich vororten wollte oder das Gefühl hatte, ich muss mich hier irgendwie vororten.

02:11:19: Und das fiel mir gar nicht so einfach, weil die Bezugsrahmen nicht so richtig hinhauen.

02:11:25: Keine Ahnung.

02:11:26: Also auf jeden Fall faszinierend, freue mich, wenn wir noch mal irgendwann weiter sprechen.

02:11:29: Ich bin mir sicher, dass sie noch eine ganze Weile eine Rolle spielen wird in der Politik, ob jetzt im Bundestag, wenn wir sehen oder näher bei ihren Büchern, auf jeden Fall wird sie noch eine Weile was zu sagen haben.

02:11:39: Da bin ich mir sehr, sehr sicher.

02:11:41: Ich freue mich und bin gespannt auf eure Perspektiven auf dieses Gespräch.

02:11:44: Ich kann mir vorstellen, dass das sehr verschieden ausfallen wird.

02:11:47: Zumindest war das schon in der Ankündigung der Folge so.

02:11:50: Bleibt nett in den Kommentaren, würde ich sagen.

02:11:51: Und ja, ich möchte mich herzlich bedanken bei Lukas Hambach für die Produktion, bei Marie Schiller für die Redaktion und bei Mitvergnügen für die Distribution und Vermarktung.

02:12:01: Und wenn ihr Lust habt auf eine weitere Folge, dann möchte ich euch die Folge mit Heidi Reichenig empfehlen, die hier vor ein paar Monaten war.

02:12:07: Da geht es auch sehr politisch zu.

02:12:09: Ich wünsche euch noch einen schönen Tag.

02:12:10: Eine gute Nacht.

02:12:11: Auf bald.

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